Eurosport - Mo 05.Mai. 17:50:00 2008
Bernd Schuster hat es geschafft, er geht in die Annalen der "Königlichen" ein! Gleich im ersten Jahr als Trainer ist er mit Real Madrid souverän spanischer Meister geworden - und das schon drei Spieltage vor Saisonschluss.
"Von diesem Titel habe ich geträumt", sagte der Augsburger erleichtert, nachdem sein Team mit dem Last-Minute-Sieg (2:1, späte Tore durch Higuain und Robben) bei Osasuna Pamplona vorzeitig die 31. Meisterschaft perfekt gemacht hatte. "Wir sind der gerechte Meister, weil wir uns die meisten Verdienste erworben haben", erklärte der Coach weiter. Tatsächlich überzeugte Real in den letzten Wochen durch spielerische Klasse, Moral, Selbstvertrauen, Biss und einen unbändigen Siegeswillen. Hinzu kamen immer wieder überragende Einzelleistungen von Casillas, Sneijder, Raul und Guti. "
Sie haben ihre Hemden mit Ruhm bekleckert, sie sind durchtränkt von Seligkeit", beschrieb das Sportblatt "As" den Zustand der Weißen. Schuster darf sich nun zurücklehnen und den Triumph genießen. Es ist sein allererster Titel als Trainer - und das bei einem Weltklub. Der frühere Kölner und Leverkusener Bundesligastar ist als Coach von Chamartin erst einmal unantastbar.
Der Zauber ist zurück
Das war nicht immer so. Diplomatie ist nicht seine Stärke. Nach dem Champions-League-Aus gegen den AS Rom im März gab sich Schuster zickig. Er brach Pressekonferenzen ab, antwortete nur mürrisch. Das Verhältnis zu den Journalisten gestaltete sich zunehmend schwieriger. Doch dann entspannte sich die Lage. Real gewann an mentaler Stärke, punktete leichtfüßig gegen hochmotivierte Gegner und Schuster wurde gelassener.
In den Madrider Gazetten war Schuster zuletzt komischerweise gar kein Thema mehr. Das zeigt: der Deutsche ist unumstritten, vor allem fachlich. Und nach dem Titelgewinn erst recht. Fans, Presse und Vereinsführung haben längst registriert: Der Zauber ist zurück! Unter Schuster spielt Real wunderbaren Fußball, schießt mehr Tore, alles ist viel attraktiver als unter seinem Vorgänger, dem Sicherheitsfanatiker Fabio Capello. Präsident Ramon Calderon hatte dem 48-jährigen Ex-Nationalspieler sowieso schon vor Wochen in einem Radiointerview signalisiert, dass er weiter auf den Europameister von 1980 vertraut.
"Ganz spezielle Momente"
Inzwischen genießt Schuster sogar das Bad in der Menge. "Fiesta blanca - Party in weiß", titelte die Sportzeitung "Marca" heute. Sie saßen auf Ampeln, Bäumen, Stromkästen und Autodächern: Mit tausenden Aficionados feierte Real am Cibeles-Brunnen in der Madrider Innenstadt. Dort war die Mannschaft nach der Rückreise aus Pamplona um drei Uhr in der Früh eingetroffen. Kapitän Raul bestieg die Statue, küsste die Fruchtbarkeitsgöttin "Kybele" und schmückte das Denkmal mit der spanischen Nationalflagge sowie einer weißen Real-Fahne. "Campeones, Campeones!", war der meistgehörte Schlachtruf.
"Eine wunderschöne Feier, das sind ganz spezielle Momente, da möchte man gerne, dass sie länger dauern, als nur ein paar Minuten," war Schuster nach dem Triumph überwältigt. Am Mittwoch kommen sie zurück, diese glücklichen Augenblicke, denn dann kommt der ungeliebte Erzfeind FC Barcelona zum "Clasico" ins Bernabeu. Barca muss dann Spalier stehen, wenn Real sich selbst feiert. Barca hat eine Katastrophensaison hinter sich.
Valencia und Hildebrand demontiert
Da nützt auch der gestrige 6:0-Kantersieg gegen Pokalsieger FC Valencia nichts. Nationalkeeper Timo Hildebrand wurde dabei von seiner Abwehrreihe um Alexis und Caneira völlig im Stich gelassen. Rechtsverteidiger Miguel war ein Totalausfall.
"Eine schmerzhafte Niederlage, jetzt stehen wir nur noch zwei Punkte vor dem Abstieg", meinte Valencias Spielmacher Ruben Barraja.
Erik Wegener / Eurosport