Eurosport - Mo 05.Mai. 13:31:00 2008
Schalke unter Druck: Im Nachbarschafts-Duell beim VfL Bochum müssen drei Punkte her im Kampf um die Champions League. Doch ein "Königsblauer" im Trikot der Gastgeber brennt darauf, seine Klasse unter Beweis zu stellen.
In Gelsenkirchen ist der Frust noch zu spüren. Die direkte Qualifikation für die Champions League ist nach dem 1:1 gegen Hannover wieder ein wenig in die Ferne gerückt. Zwar sind die Schützlinge des Trainer-Duos Mike Büskens und Youri Moulder nicht zu Tode betrübt, aber der Gedanke, wieder kurz vor Saisonende seine Ziele begraben zu müssen, ist allgegenwärtig. "Wir müssen die Champions League erreichen. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir das noch vermasseln. Jetzt heißt es kämpfen bis zum Umfallen", so Rechtsverteidiger Rafinha.
"Schade - da krallst du dich an Werder ran, um dir dann gegen Hannover wieder selbst Steine in den Weg zu legen", kann Ivan Rakitic seinen Frust nach dem Remis gegen Niedersachsen auch Tage danach nicht verbergen. Für ihn gilt jetzt unbedingt: "Ein Top-Spiel im Revierderby gegen Bochum. Da müssen wir die verlorenen Punkte zurückholen."
Taktische Neuerungen oder personelle Umstellungen sind dabei nicht mehr zu erwarten. Bei noch drei ausstehenden Partien ist nun der Charakter der Mannschaft gefragt. "Mit einem neuen Spielsystem kannst du jetzt nicht mehr aufwarten. Was zählt sind jetzt nur noch die nackten Ergebnisse und das bedeutet, dass wir in Bochum einen Dreier einfahren müssen - egal wie", fordert Kapitän Marcelo Bordon.
"Schalke ist eine große Nummer"
Spielerisch wollen die Königsblauen an die Leistung aus der zweiten Halbzeit gegen die 96er anknüpfen. Doch so grandios war diese auch nicht, als dass man zuversichtlich in ein Duell mit technisch versierten Bochumern gehen kann. Der VfL freut sich schon auf das Derby. "Schalke ist eine große Nummer in der Liga. Da wollen wir natürlich unseren Fans ein tolles Spiel bieten", sagt Stanislav Sestak, der mit zwölf Treffern die Torjägerliste des Reviernachbarn anführt.
Trainer Marcel Koller schwelgt vor dem Duell in Erinnerungen: "Vor einem Jahr haben wir 2:1 gewonnen. Rückblickend war es eines unserer geilsten Spiele. Jetzt spielt Schalke um die Champions League-Plätze und nicht um die Meisterschaft, die Konstellation ist aber ähnlich." Stellt der VfL den Schalkern also erneut ein Bein? "Ich hoffe natürlich, dass es in die gleiche Richtung geht", hätte Koller nichts dagegen.
Azaouagh freut sich auf Wiedersehen
Für einen Bochumer steht diese Partie unter einem ganz besonderen Blickpunkt: Mimoun Azaouagh, der in der Winterpause bis zum Saisonende von Schalke ausgeliehen wurde, will eine Glanzleistung abliefern: "Klar ist es ein besonderes Spiel für mich. Ich werde natürlich alles geben und mich in den Dienst der Mannschaft stellen, um wichtige drei Punkte zuhause zu behalten."
Schalke-Manager Andreas Müller hofft indes auf Wiedergutmachung, denn in seinen Augen würde ein Auftritt wie gegen Hannover in Bochum für wenig Erfolg sorgen. "Die gesamte Mannschaftsleistung war einfach nicht ausreichend. Eine Steigerung muss dringend her." Die Transfer-Spekulationen um Jermaine Jones (Barcelona) und Rafinha (Liverpool) sah Müller nicht als Grund für den schwachen Auftritt in der Veltins-Arena gegen die 96er: "Es hat einfach insgesamt nicht funktioniert. Die Gerüchte sind nicht ausschlaggebend gewesen. Jeder ist hier voll konzentriert." Der Manager bezog auch Stellung zur Personalie Juan Roman Riquelme: "Er ist bei uns überhaupt kein Thema. Da haben wir mit Ze Roberto und Ivan Rakitic schon tolles Potenzial auf dieser Position." Bleibt abzuwarten, ob Rakitic es schafft, eben jenes Potenzial in Bochum über 90 Minuten abzurufen.
Aus Gelsenkirchen berichtet Hakan Uzun / Eurosport