Bundesliga - "Dem Meister reicht Trödel-Fußball"

Eurosport - Mo 05.Mai. 08:08:00 2008

Eurosport-Kolumnist Rudi Brückner findet klare Worte für den Auftritt des neuen Deutschen Meisters Bayern München in Wolfsburg und sieht die Bundesliga im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Bayern Meister Brückner PICASSO - 0

Letzten Donnerstag unterirdisch schlecht, gestern in Wolfsburg unverschämt schlecht und jetzt sollen wir auch noch alle gratulieren. Der FC Bayern ist zum 21. Mal deutscher Fußballmeister. Das wird immer der, der am Ende einer Saison die meisten Punkte in der Liga gesammelt hat - und das sind nun mal die Münchner.

Statistisch alles soweit in Ordnung, aber die Art und Weise ist beschämend. Da scheitern sie im UEFA Cup am russischen Meister St. Petersburg ohne jegliche Gegenwehr, da kicken, nein laufen, sie in Wolfsburg umher ohne Torschuss, ohne Einsatz, ohne große Lust und feiern sich nach dem Abpfiff enthusiastisch.

Glückwunsch, FC Bayern

Dieser deutsche Meister hat auf der Zielgeraden kein Gespür für fußballerische Qualität, ja meisterliche Klasse, gezeigt. Dieser deutsche Meister hat nur den Erfolg im Sinn, mathematisch, sachlich eben. In diesem Sinne, Glückwunsch FC Bayern!

Der VfB Stuttgart hat in der vergangenen Saison mit Leidenschaft, Einsatz und Emotion den Titel gewonnen, das war richtige Klasse. Jetzt hat Armin Veh noch theoretische Chancen mit seinem Team die Qualifikation zur Champions League zu schaffen, denn die Gegner Dortmund, Wolfsburg und Bielefeld sind alle zu putzen. Zu gönnen wäre es den Schwaben nach verkorkster Hinrunde, denn ihre Geduld und ihre Beharrlichkeit mit sich selbst sollten am Ende belohnt werden.

Keine Chance für den HSV

Im Gegensatz zum FC Schalke, der wieder die so genannten Mechanismen der Liga bemühte und den Trainer entließ. Nun ist er nach dem 1:1 gegen Hannover unsanft auf dem Tatsachenboden gelandet, die Chance am Ende nur im UEFA Cup kicken zu dürfen, ist da, die letzten drei Gegner sind Bochum, Frankfurt und Nürnberg.

Ach, und der schläfrige Hamburger SV ist zum Saisonfinale doch noch aufgewacht. Allerdings sind mit Bremen, Cottbus und Karlsruhe als Gegner in den drei letzten Spielen nur drei Punkte wahrscheinlich, und das reicht für die Champions-League-Qualifikation nicht.

Meister mit Trödel-Fußball

Die zwei Gewinner im Abstiegsstrudel heißen Bielefeld und Duisburg. Beide erkämpften sich zuhause einen Dreier, und Duisburg hat nun in Nürnberg ein richtiges Endspiel. Siegen die Bommer-Jungs im Frankenland und zeigen sich die Bayern wenigstens dem heimischen Publikum meisterlich gegen Bielefeld ist der MSV wieder im Klassenerhalts-Geschäft!

Und so verlieren wir uns in spannender Spekulation und verlieren fast den Überblick. Der zeigt uns bitter auf, wie unglaublich schwach diese Bundesliga ist: Ein Meister, dem Trödel-Fußball reicht, um den Titel vorzeitig zu gewinnen! Verfolger wie Bremen, Schalke, Hamburg, Stuttgart, Leverkusen, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind, als wirklich zu verfolgen! Aufstrebende Teams wie Wolfsburg, Hannover, Frankfurt, Karlsruhe, Bochum, die von ihrer relativ guten Saison überrascht sind. Abgestürzte Teams wie Berlin und Dortmund, die froh sind, das es noch fünf schlechtere Mannschaften hinter ihnen gibt. Alles in allem ist also Bayern Meister einer europäischen Durchschnitts-Liga und das erklärt dann auch ein bisschen das bittere internationale Ausscheiden gegen den russischen Meister.

Rudi Brückner / Eurosport