Eurosport - Mo 05.Mai. 08:09:00 2008
Zwar hat Werder Bremen Rang zwei gefestigt, doch ein dicker Wermutstropfen trübte die Freude. Dank eines unbedachten Fouls ist "Leitwolf" Torsten Frings im Nordderby gegen Hamburg gesperrt. Das könnte für Werder zum Problem werden.
Nach 90 Minuten war die Arbeit für die Bremer erledigt, ein hartes Stück Arbeit zwar, aber das hemmte ihren Jubel keineswegs. Nur Torsten Frings schaute brummig und klatschte bloß widerwillig mit Hugo Almeida ab. Auf dem Weg zur Kabine pfefferte der Vizekapitän noch wütend eine Wasserflasche auf den Rasen.
Der Frust saß tief bei Frings, der für ein Foul drei Minuten vor Spielende seine fünfte Gelbe Karte kassierte und damit im Nordderby gegen den HSV gesperrt ist. "Das war ein blöder Ballverlust im Mittelfeld. Ich grätsche, weil ich dachte, sonst klingelt es gleich", erklärte Frings und schob leicht sarkastisch hinterher: "Ich habe ja fast die ganze Saison gefehlt. Dann wird es ja wohl noch einmal ohne mich gehen."
Kritik von Allofs
Sportdirektor Klaus Allofs fand deutliche Worte: "Das war absolut unnötig." Frings hatte beim Stand von 2:0 und etliche Meter vor der Strafraumgrenze Dimitar Rangelov robust von den Füßen geholt. "Es ist ärgerlich. Ich wollte gerne gegen Hamburg spielen. Gerade läuft es bei mir wieder gut", sagte Frings und genau das könnte für die Werderaner zum Problem werden.
Frings hat sich seiner Bestform nach der langen Verletzungspause wieder angenähert und ist für Werder besonders wichtig, wenn Mittelfeldregisseur Diego wie gegen Cottbus ausfällt. "Torsten ist unser absoluter Leader. Das wird schwer ohne ihn", mutmaßte auch Tim Borowski.
Schwache Chancenausbeute, starke Joker-Stürmer
Mit dem Sieg gegen Cottbus konnten die Bremer zwar den zweiten Tabellenplatz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League festigen, doch bei noch drei Spielen, davon mit Hamburg und Leverkusen gegen zwei direkte Konkurrenten, lässt sich auf Leitwolf Frings nur schwer verzichten.
Zumal der Auftritt gegen die Gäste aus der Lausitz wieder Werders größte Schwäche der letzten Wochen offenbarte: die eklatant schwache Chancenverwertung. Drückend überlegen agierte die Elf von Trainer Thomas Schaaf in der ersten Halbzeit, doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Geschuldet war es auch dem starken Cottbus-Keeper Gerhard Tremmel, allerdings hätte wenigstens eine der sechs Bremer Großchancen zur Führung verwandelt werden müssen.
Erst nachdem Schaaf zu Beginn des zweiten Durchgangs die Stürmer Ivan Klasnic und Boubacar Sanogo durch Markus Rosenberg und Hugo Almeida ersetzte, erzielten diese in der 67. und 79. Minute jeweils ihren Treffer. Es waren die Jokertore Nummer zehn und elf für Werder in dieser Saison und sie bestätigten Schaaf einmal mehr in seiner Personalpolitik: "Ich bin ja froh, dass wir personell endlich wieder die Möglichkeiten haben, zu reagieren, wenn es nicht läuft."
Borowski hofft auf EM, Özil überzeugt
Wirklich gut lief das Spiel der Hanseaten tatsächlich nicht, sie taten sich schwer gegen eine Mannschaft wie Cottbus, die "hinten mauert", wie Frings es nannte: "Daran waren wir selbst Schuld. Wir müssen unbedingt eiskalt vor dem Tor sein, damit wir früh in Führung gehen können." Für den erlösenden Treffer von Rosenberg sei es laut Borowski "allerhöchste Zeit gewesen", aber sie hätten eine "intelligente Partie gezeigt und sich nicht so oft locken lassen, wie zuletzt." Sprich: sich Konter einfangen.
Er selbst zeigte wie bereits gegen den Karlsruher SC eine gute Leistung, wohl auch davon angetrieben, sich doch noch für den EM-Kader zu empfehlen. "Meinen Urlaub habe ich noch nicht gebucht, ich wäre gerne bei der EM dabei. Sie spielt eine große Rolle in meinem Kopf und meinem Herzen", sagte Borowski.
Mit Mesut Özil stand ein weiterer Spieler positiv im Fokus, der Ex-Schalker zeigte seine bisher beste Partie im Werder-Trikot. Auch wenn er das selbst nicht von sich sagen wollte: "Das muss der Trainer bewerten. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung." Gut möglich, dass Özil bereits am Mittwoch in Hamburg noch mehr Verantwortung tragen muss, wenn Frings gesperrt und Diego weiterhin angeschlagen ist. Ob der 19-Jährige dazu schon in der Lage sein wird, muss sich allerdings zeigen.