Dakar 2008 - Dakar-Tross unter Schock

Eurosport - So 06.Jan. 00:03:00 2008

Der Schock sitzt tief. Als Etienne Lavigne nach seiner Ansprache vom Podium trat, herrschte einige Sekunden bedrückendes Schweigen. Dann wurde ihm Applaus gezollt, einige erhoben sich von den Plätzen. Denn es war offensichtlich, dass dem Dakar-Chef die Entscheidung nicht leicht gefallen war.

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Viele aber blieben sitzen. Starrten ausdruckslos vor sich hin. Ehefrauen und Freundinnen hielten stumm die Hände ihrer Männer. Lethargie machte sich breit, der Schock und die Tragweite der Entscheidung begann sich körperlich bemerkbar zu machen. In den zunehmenden Applaus mischten sich nun auch vereinzelte Buhrufe.

Richtige Entscheidung?

Die Diskussion um das Pro und Contra wird sich sicherlich noch Tage, wenn nicht sogar Monate hinziehen. Kaum abzustreiten ist, dass die Sicherheit vorgeht und es die Verantwortung des Veranstalters ist, für die leibliche Unversehrtheit aller zu sorgen. Mit Sicherheit spielten auch finanzielle Argumente eine Rolle. Ein kompliziertes Geflecht von Versicherungen, Sponsorenverpflichtungen, Media-Deals, das Image der Marke Dakar sowie Wohl und Wehe der Teilnehmer galt es abzuwägen.

Eine verkürzte Dakar als Alternative? Man kann dem Veranstalter durchaus vorwerfen, keinen echten Plan B in der Hinterhand gehabt zu haben. Allerdings wurde mit dem Teilstück in Mauretanien nicht nur das Herzstück der Rallye, sondern auch ein Drittel der gesamten Strecke getroffen. Ist eine Dakar noch eine Dakar, auch wenn man nur in Marokko fährt?

Andi Schulz gibt eine klare Antwort: "Nein. Dann ist es eine Orpi Maroc. Entweder ganz oder gar nicht. Hätten die Veranstalter es so gemacht, wäre das Ergebnis ohne Aussagekraft gewesen. Auch befürchte ich, dass sich viele Amateure zu sehr am Gashahn vergnügt hätten. Man stelle sich nur vor, es hätte dann deswegen Tote gegeben."

Privatiers zahlen drauf

"Für die Werksteams ist es nur ein Rennen weniger im Kalender, für Privatiers jedoch eine Katastrophe", hält Ellen Lohr dagegen. "Für mich ist die Dakar damit tot. Das war's. Nie wieder werde ich hier starten. Ich muss jetzt erstmal Sponsorengelder zurückzahlen, die bereits investiert sind. Wie ich das machen soll, weiß ich noch nicht". So wie der ehemaligen DTM-Fahrerin, die sich einige Tränen weg wischen musste, ergeht es vielen.

Die meisten Sponsorenverträge treten erst in Kraft, wenn die Rallye offiziell begonnen wurde. Dies ist aber hier nicht der Fall. Die vielen Abenteurer, die sich die Dakar über Jahre hinweg zusammengespart haben, sind besonders enttäuscht: "Die hätten uns schon ein paar Etappen in Marokko fahren lassen können", argumentiert Tina Meier. "Damit wäre vielen kleinen Privatiers wie mir sicherlich geholfen worden."

Doch einige andere trifft es wirklich hart. Nissan Dessoude zum Beispiel. Das französische Team, bei dem man die Dakar als Komplett-Angebot buchen kann (ca. 200.000 Euro) hat wie immer zahlreiche Autos am Start. Zwar bleiben die Autos im Teambesitz, aber die entstandenen Verluste sind enorm. Denn Dessoude macht 80 Prozent seines Jahresumsatzes nur mit der Dakar.

Die Dakar ist jedenfalls mit der Absage stark beschädigt worden. Zwar war es nur vernünftig, die Rallye abzusagen. Doch ob die Dakar auf lange Sicht gesehen überhaupt noch eine Zukunft hat, ist derzeit offen. Das gleiche gilt übrigens für die Safari-Rallye in Kenia, die im Rahmen des IRC-Programmes im März den Saisonauftakt bilden soll.

Die Teams packen derzeit zusammen. Hupend verabschieden sie sich von Lissabon. Einige Zuschauer haben noch gar nicht mitbekommen, dass die Rallye abgesagt wurde. Einige aber zeigen noch Mut. So fuhr Christina Meier demonstrativ noch auf die Startrampe und holte sich ihr Dakar-Bild. "Schließlich habe ich dafür einiges bezahlt.... und zwar 55.000 Euro".

Aus Lissabon berichtet Gernot Bauer / Eurosport