Tour de France - Das große Fressen

Eurosport - Sa 05.Jul. 16:33:00 2008

Einem Kannibalen müsste beim Anblick des Tour-Pelotons das Wasser im Mund zusammenlaufen: Bei den weitgehend speckfreien Radprofis blitzt nur mageres Fleisch unter dem Trikot hervor. Und das, obwohl sie den ganzen Tag nur Schaufeln, Schlingen und Stopfen was das Zeug hält.

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"Wer mit einem Radfahrer am Tisch sitzt, der steht hungrig wieder auf", lautet ein gängiges Sprichwort unter Trainern und Betreuern. Denn bei den Profis sind nicht nur die Beine, sondern auch der Magen maximal trainiert: In Rekordzeit verschwinden Unmengen an Nudeln, Reis und Fleisch mit allerhand Beilagen, ein großes Stück Obstkuchen, Joghurt, Griesbrei und mehr in den mageren Bäuchen. Auf diese Weise versuchen sie das Sättigungsgefühl zu überlisten, das sich erst mit einiger Verzögerung einstellt.

Das Leistungsgewicht als magische Größe

Und doch sind die meisten Fahrer dünn wie Strichmännchen: Ausgewiesene Kletterer bringen oftmals keine 70 Kilo auf die Waage, das Durschnittsgewicht des Tour-Kaders von Euskaltel liegt etwa bei 62 Kilo und die beiden baskischen Bergziegen Amets Txurruka und Igor Anton sind gerade einmal 56 bzw. 58 Kilo schwer. Doch das sind nicht einmal die entscheidenden Zahlen. Die magische Größe ist das Leistungsgewicht, ausgedrückt in Watt pro Kilogramm. Es wird gemessen an der berüchtigten aneroben Schwelle, dem Übergang von Ausdauer- zu Spitzenbelastung.

Ein Topfahrer strebt nach einem Wert von 6 und dafür wird ihm in der Vorbereitung einiges abverlangt. Von Lance Armstrong, dem Meister der Akribie ist überliefert, dass er sich sein Essen mit der Waage rationiert hat. Während der Tour ist dies allerdings nicht mehr nötig. Denn bei einer schweren Bergetappe verbraucht der austrainierte Radler durchschnittlich 9000 Kilokalorien - soviel kann kein Mensch essen. Obwohl es natürlich versucht wird: Mit Müsli, Omlett und Spaghetti am Morgen. Mit Törtchen, Reiskuchen, Powergels und Energieriegeln unterwegs, Bananen, Cola und Quark im Ziel und einem orgiastischen Abendessen. Denn Infusionen haben zuwenig Nährwert und bergen oft die Gefahr einer Eiweißvergiftung, da sie leicht zu verunreinigen sind. Daher haben gute Esser einen großen Vorteil bei der Regeneration.

Fat-Burning am Berg

Insgesamt verliert ein Profi während drei Wochen bis zu drei Kilogramm. Ein Gewichtsverlust, der deutlich sichtbar wird: An ihren spitzen Nasen, den holen Wangen und den wächsern abstehenden Ohren. Die Anstiege der Alpen und der Pyrenäen haben ihnen das Fett weggebrannt und wer jetzt ein Magenproblem bekommt, der ist verloren. Denn auch für Radrennfahrer gilt: "Der Mensch ist, was er ißt."

Charlotte Schneider / Eurosport

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. Am Hungerast zu hängen ist schlimme. Hatte dies vor drei Jahren bei einer RTF Tour. Das Hirn will und die Beine nicht mehr. Bei der Ankunft essen ohne ende.

    Von martin_thegreat2, am Sa 5.Jul. 14:39
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