GP Türkei - Theissen hofft auf gemeinsame Lösung

Eurosport - Do 04.Jun. 17:36:00 2009

Der Dauerknatsch um die Zukunft der Formel 1 geht in die heiße Phase. Eine Woche vor der "Deadline" ist in dem Streit zwischen dem Internationalen Automobil-Verband FIA und der Teamvereinigung FOTA, der an Heftigkeit kaum noch zu überbieten ist, keine Einigung in Sicht.

FORMULA 1 2008 BMW Theissen - 0

Am 12. Juni will der Dachverband die Rennställe bekanntgeben, die 2010 in der Königsklasse um die Krone kämpfen. "Ich hoffe, dass wir eine gemeinsame Lösung finden", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Donnerstag in Istanbul. Die meisten Piloten drücken sich indes um eine klare Stellungnahme und wollen sich aufs Rennfahren konzentrieren.

Machtspiele mit starken Gegnern

Längst geht es bei dem knallharten Konflikt nicht mehr nur um eine Budgetobergrenze oder das Reglement. Macht, Rechthaberei und verletzte Eitelkeiten spielen eine mindestens genauso große Rolle. "Wir sollten es schaffen, dass keiner das Gesicht verliert", deutete Theissen an, dass sich die beiden verfeindeten Lager wohl nur dann annähern können, wenn keiner als Sieger oder Verlierer dasteht. "Es ist extreme Politik im Spiel", sagte er. "Aber die Bühne ist gut, die verschiedenen Spieler sind sehr stark. Es kann nicht im Interesse eines Spielers sein, alles zu zerschlagen."

Ohne einem Namen zu nennen, meint Theissen damit Max Mosley. Der FIA-Präsident will die radikale Etatkürzung auf etwa 45 Millionen Euro unbedingt durchsetzen. Er forcierte auch, dass sich inzwischen mehr als ein halbes Dutzend Interessenten neben den zehn etablierten Teams für die kommende Saison eingeschrieben haben. Sollte es zu keiner Einigung zwischen FIA und FOTA kommen, kann Mosley trotzdem ein großes Teilnehmerfeld stellen, auch wenn dieses dann kaum Formel- 1-Qualität hätte.

Situation weiterhin kritisch

Theissen sieht die Situation "weiterhin als kritisch an". Ob die FOTA eine eigene Rennserie veranstaltet, falls die FIA sie am 12. Juni nicht im Starterfeld auflistet, werde dann diskutiert. "Aber wir haben verschiedene Szenarien angesprochen", signalisierte der BMW- Mann, dass die Teams auf den Ernstfall vorbereitet wären.

Noch hofft Theissen auf eine gemeinsame Zukunft. Die FOTA hatte der FIA vor einiger Zeit einen 500 Seiten umfassenden Katalog mit ihren Vorstellungen vorgelegt. Anders als Mosley, der den Etat auf einen Schlag auf 45 Millionen Euro kürzen will, plädieren die Teams für einen Stufenplan. "Wir warten auf eine Antwort der FIA vor dem 12. Juni", sagte Theissen. "Für uns ist der Tag nicht die Deadline."

Piloten besorgt bis gleichgültig

Die Piloten reagieren besorgt bis gleichgültig auf die immer mehr einer Politik-Posse ähnelnden Machtkämpfe. "Die Formel 1 gibt es immer", versicherte Nico Rosberg, der für das nächste Jahr bereits auf Cockpit-Suche ist. "Ich schaue mich um, mein Vertrag endet", sagte der Williams-Pilot aus Wiesbaden. Seit längerem kursieren Gerüchte, der 23-Jährige werde 2010 für McLaren-Mercedes fahren. Das britisch-deutsche Team wollte ihn bereits Ende 2007 als Nachfolger des im Streit geschiedenen zweifachen Champions Fernando Alonso verpflichten. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hatte erst vor ein paar Tagen erklärt, dass Rosberg ein "interessanter Fahrer" sei.

Nick Heidfeld hofft auf eine "sinnvolle, gemeinsame Einigung". Keiner wisse genau, wie es weitergehe, sagte der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach. "Man macht sich Sorgen und Gedanken." Heidfeld wünscht sich, dass "die Formel 1 die Spitze des Motorsports bleiben wird mit den besten Teams, den besten Fahrern und den schnellsten Autos". Er befürchte nicht, dass die Königsklasse "zur Formel 3 mutiert". Sebastian Vettel plädierte dafür, abzuwarten und zu sehen, was passiert. Für die deutsche WM-Hoffnung im Red Bull ist es kaum vorstellbar, die Königsklasse mit unterklassigen Kandidaten aufzufüllen, falls es zu keiner Einigung kommt: "Teams wie Ferrari haben Geschichte."

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dpa / Eurosport

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