Sevilla (dpa) - WM-Bronze für Thomas Lurz, Peking-Ticket für Angela Maurer und Olympia-Trauma für Britta Kamrau-Corestein: Deutschlands Langstreckenschwimmer haben bei den Weltmeisterschaften in Sevilla im 23 Grad warmen Wasser des Rio Guadalquivir eine emotionale Achterbahnfahrt erlebt.
Der fünffache Titelträger Lurz freute sich über Platz drei: «Gold will ich in Peking.» Maurer war nach Rang sieben und erfolgreicher Peking-Qualifikation für das Olympia-Debüt der Langstreckler über zehn Kilometer «total happy». Die viermalige Weltmeisterin und Mitfavoritin Kamrau-Corestein flüchtete nach ihrem 39. Platz weinend ins Hotel: «Das ist für mich wie in einem falschen Film. Ich weiß nicht, was ich machen soll.»
Lurz dachte schon an Peking, als er mit 6,2 Sekunden Rückstand auf den siegreichen russischen Titelverteidiger Wladimir Djatschin (1:53:21,0 Stunden) an Land kletterte. Sein Ziel: Der Olympiasieg. «Unmöglich ist es nicht», sagte der 28 Jahre alte Diplom- Sozialpädagoge aus Würzburg. Der Mainzer Christian Hein verpasste als 20. das den ersten Zehn vorbehaltene Peking-Ticket. Australiens Becken-Star und 1500-Meter-Freistil-Olympiasieger Grant Hackett wurde als 15. wegen unsportlichen Verhaltens nachträglich disqualifiziert.
Angela Maurer war nach großem Kampf obenauf. «Man hat immer eins drauf gekriegt», sagte die 32-jährige Wiesbadenerin. Die Mutter eines zweijährigen Sohnes kam nach 2:02:13,6 Stunden und 10,9 Sekunden Rückstand auf die russische Siegerin Larissa Iltschenko ins Ziel. «Ich habe zum Schluss an meinen Sohn gedacht, das hat mir wieder Kraft gegeben. Ich bin total happy, dass ich in Peking dabei bin. Nur für Olympia bin ich nach der Schwangerschaft wieder zurückgekommen.» Jetzt hat sie nur noch Peking im Kopf: «Natürlich möchte ich da eine Medaille gewinnen.»
Mitfavoritin Britta Kamrau-Corestein ging unter. Als sie mit 3:26,1 Minuten Rückstand anschlug, war sie ratlos - und einfach traurig. Gesundheitliche Probleme nach einem Infekt wollte sie als Entschuldigung nicht gelten lassen. «Selbst mit 46 Grad Fieber hätte ich das schaffen müssen.» Britta Kamrau-Corestein wollte in Peking um eine Medaille schwimmen, hat dafür geschuftet wie nie. Alles umsonst. «Ich habe im Moment keine Pläne, weder für die nächsten fünf Minuten, noch für die nächsten fünf Wochen oder für die nächsten fünf Jahre.» Aber dann stellt sie klar: «Ich mache weiter.»
Iltschenko siegte bei ihrem dritten WM-Erfolg in Serie in 2:02:02,7 Stunden vor der Britin Cassandra Patten und Yurema Requena aus Spanien. Sensationelle Vierte wurde die Unterschenkel-amputierte Südafrikanerin Natalie Du Toit.
Befreit vom Druck der Olympia-Qualifikation wollen Thomas Lurz, Christian Hein und Angela Maurer an diesem Dienstag über die nicht- olympischen fünf Kilometer um Medaillen und Titel kämpfen. Britta Kamrau-Corestein wird aus gesundheitlichen Gründen verzichten.


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