Bundesliga - Van der Vaart: "Sind nicht Bayern"

Eurosport - Fr 04.Apr. 12:08:00 2008

Rafael van der Vaart nimmt exklusiv bei eurosport.yahoo.de Stellung zu den Problemen beim Hamburger SV, spricht über seine eigene Leistung und seinen großen Traum.

FOOTBALL 2007-2008 Hamburg Van der Vaart exklusiv - 0

Der HSV ist Tabellenzweiter. Trotzdem macht sich nach sieben Unentschieden in elf Partien Unmut breit. Vor allem Sie sind dabei ins Visier der Kritiker geraten, auch weil Sie seit sieben Spieltagen nicht mehr getroffen haben.

Rafael van der Vaart: Wir sind alle keine Maschinen, auch ich nicht. Es stimmt aber, dass es im Moment nicht so läuft, wie ich es will. Meine Leistung wird aber immer nur an den Toren gemessen. Wenn ich nicht treffe, geht das ganze Spiel auf mein Konto. Die derzeitige Kritik an uns ist insgesamt nicht gerechtfertigt. Wir stehen auf Platz zwei, vor knapp einem Jahr waren wir Tabellenletzter. Da kann man zufrieden sein.

Aber die Ergebnisse der gesamten Mannschaft stimmten in den letzten Wochen ebenso wenig wie die Leistung. Droht der HSV, wie schon vorletzte Saison, nach einer eigentlich tollen Saison auf der Zielgeraden einzuknicken?

Van der Vaart: Wir spielen in der Bundesliga, da kriegt man nichts geschenkt. Es liegt nicht immer nur an einem selber. Oft ist es so, dass uns ein starker Gegner Probleme bereitet und manchmal auch einfach besser ist, das muss man akzeptieren. Das sieht man auch anhand der Tabelle, in der die ersten Fünf eng beieinander sind.

HSV-Idol Horst Hrubesch kritisiert, der Mannschaft von heute fehle der Wille zum Titel.

Van der Vaart: Ganz im Gegenteil. Wir haben vor der Saison ein Ziel ausgegeben und gesagt, dass wir besser abschneiden wollen als im letzten Jahr. Jetzt stehen wir auf dem zweiten Platz und wollen dort möglichst bleiben. Deshalb müssen wir aber nicht zwingend vom Titel sprechen, denn die Bayern sind ja auch sieben Punkte vor uns.

Auf dem Spielfeld wirken Sie in letzter Zeit teilweise isoliert. Sind Sie nicht auch Opfer der Taktik Ihres Trainers? Huub Stevens setzt Sie meistens als hängende Spitze ein, dabei sind Sie gelernter Regisseur.

Van der Vaart: Ich kann eigentlich überall spielen, am liebsten agiere ich im zentralen Mittelfeld, das stimmt. Der Trainer stellt mich aber seit fast einem Jahr direkt hinter der Spitze auf, und ich akzeptiere das. Da muss ich dann mehr nach vorne arbeiten, kann also nicht Regie führen. Ich laufe beim HSV viel und wechsle ständig die Positionen in der Offensive. Ich brauche vorne aber die Bälle von hinten, die kamen in den letzten zwei, drei Wochen nicht so gut an.

Kann man von einer Krise sprechen?

Van der Vaart: Ich habe keine Krise. Natürlich bin ich nicht in Topform, obwohl ich körperlich und gesundheitlich gut drauf bin. Ich hatte die wohl beste Hinserie meiner Karriere. Auch wenn ich bei Ajax Amsterdam schon super Phasen hatte, mit vielen Toren, ist die Bundesliga noch mal ein anderer Maßstab. Ich bin sicher, dass ich meine gute Form bald wieder habe. Vielleicht klappt es ja schon gegen Stuttgart.

Ihr Kollege Bastian Reinhardt machte vorige Woche öffentlich, wenn es nicht läuft, müssten Sie lernen, mit nach hinten zu arbeiten, was Ihnen wiederum nicht schmeckte. Auch drei Platzverweise aus den letzten beiden Partien deuten einen nervösen HSV an, so kurz vor dem Saisonfinale.

Van der Vaart: Die Stimmung im Team ist hervorragend. Auch die Sache mit Basti war nach einem kurzen Telefonat ausgeräumt. Wir wissen alle, wo wir herkommen und sind mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden. Nun sind die Leute gewohnt, dass wir häufig gewinnen, das geht aber nicht immer. Manchmal muss man zwei Schritte zurück machen, um drei nach vorne gehen zu können.

Klingt so, als wäre der HSV gerade während der wichtigsten Phase der Saison, in der es um die begehrten Europapokal-Plätze geht, in einem Selbstfindungsprozess?

Van der Vaart: Wir sind nicht der FC Bayern mit Ribery, Toni und Schweinsteiger, die als Stammkräfte jederzeit von gleichwertigen Spielern ersetzt werden können. Wir hatten Verletzte, dann kamen die Sperren hinzu. Das Kompensieren von Ausfällen klappt aber immer besser. Da haben wir in dieser Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Sie sind jetzt in der dritten Saison beim HSV. Wie lautet denn Ihr Fazit insgesamt?

Van der Vaart: Es ist für mich beim HSV bisher überragend gelaufen. Ich habe viele Tore geschossen, wir haben uns erst für den UEFA Cup qualifiziert, anschließend sogar für die Champions League. Wir hoffen, dass das in diesem Jahr auch wieder klappt.

Trotzdem wollen Sie den Klub wahrscheinlich schon im Sommer verlassen. Warum?

Van der Vaart: Es ist schon immer mein Traum gewesen, irgendwann einmal bei einem großen Verein in Europa zu spielen. Das wird auch so bleiben. Am meisten zieht es mich nach Spanien.

Das Interview führte Martin Sonnleitner / Eurosport