Eurosport - Di 04.Mrz. 17:15:00 2008
Selbstbewusst und selbstkritisch: Wenn es um seine Ziele geht, stapelt Markus Fothen nicht gern tief. "Ich bleibe dabei: Mein Ziel ist der Tour-Sieg", so der Gerolsteiner-Profi im Exlusiv-Interview. Doch dazu scheut er auch vor einer harten Analyse der eigenen Fehler nicht zurück.
Die letzte Saison lief nicht nach Wunsch: Welche Änderungen in der Vorbereitung haben Sie vorgenommen?
Markus Fothen: Im Winter habe ich mein bewährtes Trainingsprogramm absolviert: Grundlagen-Kilometer im Süden aus Mallorca und Kraft daheim. Aber als Konsequenz aus der Erfahrung von 2007 habe ich vier Wochen früher mit dem Renn-Programm begonnen. Ich habe schon die Mallorca-Challenge und die Algarve-Rundfahrt absolviert. Jetzt geht es dann zu Tirreno-Adriatico, danach zu den Rundfahrten im Baskenland und der Romandie.
Was haben Sie sich für die erste Saisonhälfte bis zur Tour de France vorgenommen?
Fothen: Bei den einwöchigen Rundfahrten im Frühjahr reicht mir ein Tagessieg wie 2007 bei der Tour de Romandie nicht: In einem der Rennen will ich auch in der Gesamtwertung vorne mitreden.
Das große Ziel bleibt aber auch in diesem Jahr die Tour de France...
Fothen: Ja, und trotz der frustrierenden Tour 2007 bleibe ich auch bei meinem Ziel, dass ich die Rundfahrt einmal gewinnen will. Noch kenne ich meine Leistungsgrenzen nicht und ich bin ein Typ, der sich einfach auch klare Ziele setzen muss. Ob das nun im ersten Schritt ein Platz unter den Top Ten ist oder später eben der Gesamtsieg: Ich scheue die Verantwortung nicht.
Heißt das auch, dass sich die ganze Mannschaft dann in ihren Dienst stellen muss? Mit Robert Förster hat man ja auch einen starken Sprinter, dazu etliche weitere Anwärter auf Etappensiege...
Fothen: Ich will gar nicht die komplette Teamunterstützung, das braucht man nicht für einen Platz in den Top Ten. Später, wenn es um mehr geht, sieht das anders aus. Zudem haben wir mit Oliver Zaugg, Bernhard Kohl und Stefan Schumacher ja kletterstarke Fahrer, die mir helfen können - auch Fabian Wegmann kann an einzelnen Tagen ganz vorne in den Bergen mithalten.
Der 34. Platz im letzten Jahr war eine Enttäuschung. Was macht Sie so sicher, dass es diesmal besser läuft?
Fothen: Ich habe genau analysiert, woran es lag: Ein Grund war die Handverletzung im Vorfeld, die mich im Training behindert hat. Entscheidend war aber meiner Meinung nach, dass ich zum für mich falschen Zeitpunkt im Höhentrainingslager war, nämlich nach der Dauphiné Libéré. Daraus habe ich gelernt: Ich werde diesmal vor dem letzten Vorbereitungsrennen, der Tour de Suisse, in die Höhe gehen. Ansonsten hatten die Schwierigkeiten eigentlich schon nach der guten Tour 2006 begonnen: Unser Hausbau hat mich mehr Zeit und Energie gekostet, als ich dachte. Tausend Kleinigkeiten waren zu organisieren und kontrollieren, da hatte ich den Kopf einfach nicht frei. Dazu kamen die schönen Ereignisse wie die Hochzeit und der Nachwuchs, die aber auch zeitintensiv waren.
Wie sehr hat Sie auch die Doping-Diskussion belastet, in der Sie klar Position bezogen haben?
Fothen: Das belastet natürlich, dauernd musste man sich für Dinge rechtfertigen, mit denen man nichts zu tun hatte. Der eigene Sport und Beruf steht auf der Kippe, man hat gerade gebaut und Familie gegründet - da kann man nicht abschalten.
Wie beurteilen Sie die neuen Anti-Doping-Maßnahmen, die zur neuen Saison eingeführt wurden?
Fothen: Ich kann nur sagen: "I believe in ADAMS" - dieses neue Abmeldesystem und alles, was in diese Richtung geht, kommt mir entgegen und unterstütze ich.
Wie schätzen Sie den Kurs der Tour 2008 ein: Es dürfte Ihnen kaum gefallen, dass es weniger Zeitfahr-Kilometer gibt...
Fothen: Ich muss erstmal beweisen, dass ich wieder richtig gut Zeitfahren kann, bevor ich über zu kurze Zeitfahrstrecken bei der Tour maule. Aber ich bin sowieso nicht der Typ, der sich schon lange im Voraus mit dem Kurs befasst: Die Tour-Strecke habe ich mir bislang noch nicht einmal angesehen. Was bringt's mich aufzuregen, ich kann mir den Kurs nicht aussuchen.
Sind die Olympischen Spiele nach der Tour auch ein Ziel für Sie?
Fothen: Peking wird schwer zu erreichen, denn die Qualifikations-Kriterien sind für mich schwer zu erfüllen. Allerdings sind auch Ausnahmen vorgesehen, doch das große Ziel ist die Tour, dazu kommt die WM - da gibt es auch mehr Startplätze.
Haben sie als starker Zeitfahrer für WM oder Olympia auch Ambitionen im Kampf gegen die Uhr?
Fothen: Nach den Leistungen im letzten Jahr sehe ich mich noch nicht wieder als einen der besten Deutschen im Zeitfahren. Da gibt es mit Sebastian Lang, Bert Grabsch, Jens Voigt, Andreas Klöden oder Stefan Schumacher jede Menge erstklassiger Leute.
Das Interview führte Andreas Schulz / Eurosport