Eurosport - Fr 04.Jan. 15:25:00 2008
Nach der offiziellen Absage der Dakar 2008 ging eurosport.yahoo.de für sie in Lissabon auf Stimmenfang.
Ellen Lohr, Mitsubishi Privatier:
Für mich ist damit das Thema Dakar endgültig erledigt. Schade, dass es so enden muss. Ich finde die Entscheidung der Organisation nicht gut, eher übereilt. Sie sind wohl dem Druck der französischen Regierung erlegen. Für die Werksteams mag das nicht so die Rolle spielen, aber ich muss nun viele Sponsoren-Gelder zurückbezahlen. Man hätte doch ein paar Etappen fahren und somit Zeit gewinnen können. Absagen wäre später immer noch möglich gewesen.
Andreas Schulz, Volkwagen Team Lagos:
Persönlich finde ich es schade. Aber ich komme lieber von einer Rallye nach Hause, als von einer Beerdigung. Wenn die Risiken zu hoch sind, macht es einfach keinen Sinn. Auch eine verkürzte Ausgabe wäre nichts gewesen. So eine Rallye will ich nicht gewinnen oder fahren. Ich mach doch nicht zweimal im Jahr die Marokko Rallye... Für die Privatiers ist das natürlich hart, aber am Ende wird hoffentlich die Vernunft bei allen einsetzen.
Christina Meier, Privatier, Yamaha:
Das ist richtig sch..... ade. Soviel Arbeit und Sponsorensuche umsonst. Ich habe mein Konto dafür geplündert und meine Eltern angepumpt. Die sind wahrscheinlich die einzigen die froh sind, dass ich so schnell wieder zuhause bin. Ich bin noch ein wenig sprachlos, aber das muss jetzt erstmal sacken. Naja, nach der Rallye ist vor der Rallye - meine nächste ist die Touareg in ein paar Wochen. Aber ich will unbedingt bei der nächsten Dakar dabei sein.
Cyril Despres, KTM:
Schon irgendwie ein Schock. Wir haben gestern schon erste Gerüchte gehört, aber so richtig glauben konnte und wollte es keiner. Man muss Verständnis aufbringen, Sicherheit geht nun mal vor. Traurig zu sehen, wie die ganzen Vorbereitungen von KTM nun für die Katz waren. Das ist auch logistisch jetzt erstmal eine Herausforderung. Afrika ist leider nie zu berechnen, es sind so schöne Länder und ich hoffe nur dass dort bald wieder Frieden herrscht.
Raphael Sperrer, Team Austria 1:
"Es ist, wie es ist. Gegen solche Dinge ist man sowieso machtlos. Für mich persönlich, aber auch für meinen Co und das Team, sowie alle anderen, die viel persönliches Herzblut, Zeit aber auch Geld in diese Sache investieren, ist es natürlich eine Katastrophe. Aber man muss die Entscheidung respektieren. Wenn der Veranstalter die Rallye durchgepeitscht hätte und es gäbe bei einem Terroranschlag Tote, wäre das viel schlimmer als die jetzige Absage."
Ronn Bailey, Hummer H3:
"Ich habe Tränen in den Augen. Vor dem Start kann man es kaum erwarten, es ist wie ein Rennpferd auf 190 vor dem Start. Diese ganze Energie muss ich jetzt erstmal irgendwo hinstecken. Ich und Robbie haben jetzt verdammt viel Arbeit: Wir müssen unsere gesamte Logistik neu organisieren. Wir haben ab morgen Früh keine Hotelzimmer mehr und müssen die Autos ja auch wieder in die USA verschiffen. Zum Glück bin ich selber Hauptsponsor des Teams, es trifft mich also mehr privat. Aber keiner hätte die Verantwortung übernehmen können."
Carlos Sousa, Volkswagen Team Lagos:
"Wir sind werksunterstützt, haben einen grossen Sponsor. Gottseidank haben wir einigermassen wasserdichte und klare Verträge gemacht. Uns trifft es als Profis eher mild. Eine sportliche Enttäuschung, aber wir werden nächstes Jahr wieder dabei sein. Müßig jetzt zu diskutieren, ob man die Rallye hätte starten sollen oder nicht. Wenn man die Dakar nicht ganz macht, kann man es ganz bleiben lassen. Von einer halben hat auch kein Sponsor was."
Marc Coma, KTM:
"Die erste Dakar-Absage aller Zeiten. Kein schöner Jahresauftakt, aber ich respektiere die Entscheidung voll und ganz. Das Rennen an sich ist schon gefährlich genug. Man kann von den Veranstaltern und Regierungen in den betroffenen Ländern nicht verlangen, alles nur für eine Rallye so umzumodeln, dass es uns gut geht. A ist das keine echte Dakar mehr, wenn man zum Beispiel durch sichere Korridore fährt und B sollen die Sicherheits-Ressourcen in Mauretanien lieber gleich zur Terror-Bekämpfung genutzt werden, als eine Rallye zu schützen."
Aus Lissabon berichtet Gernot Bauer / Eurosport