Eurosport - Mo 03.Dez. 14:47:00 2007
Die UK Championship steht vor der Tür. Das ist nicht nur irgendein weiteres Weltranglisten-Turnier. Das ist das zweitwichtigste Turnier der Saison. Schließlich gibt es nur bei der Weltmeisterschaft mehr Punkte für die Rangliste.
Bei der UK Championship werden etwa 50 Prozent mehr Punkte vergeben als bei einem normalen Turnier. Neben dem in dieser Saison wieder gesteigerten Preisgeld sorgt dies für einen ganz besonderen Druck.
Frühes Aus für White, Drago und Stevens
Jeder Spieler, mit dem man sprechen kann, bestätigt diese besondere Situation. Die UK Championship bedeutet für alle eine wichtige Weichenstellung in der Saison. Wenn man im ersten Saisonteil nicht so gut abgeschnitten hat, dann kann man hier wieder einiges gut machen. War man dagegen im ersten Saisonabschnitt erfolgreich, dann kann man spätestens hier einen entscheidenden Schritt nach vorne machen, aber auch schon gewonnen geglaubten Boden wieder verlieren.
Der Druck also ist bei der UK Championship noch einmal größer als er ohnehin schon ist. Gerade hier tun Erstrunden-Niederlagen besonders weh. Das war in der Qualifikation so, und das wird in Telford bei den Endrunden für die Top 16 der Weltrangliste nicht anders sein. Tony Drago, Jimmy White, Alan McManus, John Parrott, Dominic Dale und Matthew Stevens werden Prestatyn deshalb wohl ziemlich frustriert verlassen haben. Sie sind allesamt an der ersten Hürde gescheitert.
Druck auf Williams und Doherty
Da sind mit White, Parrott und Stevens immerhin drei ehemalige UK Champions darunter. Für Drago und White wird es jetzt schwer, den Platz auf der Maintour zu behalten. Der walisische Drache Stevens und der Spaceman Dale haben einen herben Rückschlag auf ihrem Weg zurück in die Top 16 der Weltrangliste erlitten. Aber nicht nur die Prominenz hat es erwischt. Besonders interessant ist ein Blick auf die zweite Runde, wo die Nummern 49 bis 64 der Weltrangliste ins Geschehen eingreifen; das ist die Zone, in der man um das Maintour-Ticket zittern muss und in der Überlebenskampf pur angesagt ist. Immerhin neun dieser für die Runde der letzten 80 gesetzten Spieler haben die dritte Runde nicht erreicht.
Der Druck geht in Telford weiter. Für Mark Williams geht es in seinem Auftaktmatch gegen Ricky Walden beinahe schon um alles oder nichts. Auch für Ken Doherty ist die Situation brenzlig: Der Darling von Dublin ist im Provisional Ranking auf Platz 14 abgerutscht und muss ernsthaft um seinen Verbleib in den Top 16 zittern. In der ersten Hauptrunde in Telford muss für den frischgebackenen Vater daher unbedingt ein Sieg her; allerdings hat er mit Nigel Bond einen unangenehmen Gegner erwischt.
Möhren statt Fingernägel...
Aber es ist nicht nur der Überlebenskampf für einige Spieler, der die UK Championship zu etwas so besonderem macht. Viele werden sich noch an die Tränen erinnern, die Peter Ebdon im Vorjahr nach seinem Triumph nicht zurückhalten konnte. Das verdeutlicht auch die ideelle Bedeutung jenseits der Ranglistenpunkte und des Preisgeldes, die dieses Prestige-Turnier hat.
Damit sind die perfekten Voraussetzungen für eich hochklassiges und spannendes Turnier gegeben. Als ob Snooker nicht schon so für genügend kleine und große Dramen sorgen wird hier noch einmal eine gehörige Prise dazugegeben. Für uns als Beobachter und Zuschauer kann das nur von Vorteil sein. Mein Tipp allerdings: Legen Sie einen ausreichenden Vorrat an Möhren oder anderem gesunden Knabberzeug bereit; ansonsten kann ich für Ihre Fingernägel keine Garantie übernehmen!
In diesem Sinne viel Spaß und herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
Rolf Kalb / Eurosport