Stanislawski taut auf - Krawalle in Rostock

Di 03.Nov. 15:16:03 2009

Rostock (dpa) - Die Aggressionen der verfeindeten Fans sollten sich erst noch entladen, da legte Holger Stanislawski etwas von seiner Zurückhaltung ab.

«Die 23 Punkte nach elf Spielen lesen sich nicht nur gut, sie sind es auch. Wir wollen weiter in der Spitzengruppe mitmischen», sagte der Trainer des Fußball- Zweitligisten FC St. Pauli. In der Regel gibt sich Stanislawski zu den Aufstiegsambitionen seines Vereins reserviert, nach dem 2:0- Auswärtssieg beim FC Hansa Rostock durfte der Tabellendritte aber Grund zum Optimismus haben. In der Arena überzeugten effektive Hamburger, für die Matthias Lehmann (77. Minute) per Freistoß und der eingewechselte Deniz Naki (84.) nach einem beispielhaften Konter in der Schlussphase zum 2:0 trafen. Nach dem Spielende kam es schließlich trotz großen Polizeiaufgebots erneut zu Krawallen.

Holger Stanislawski schien das Ergebnis von 2:0 fast peinlich. «Das waren drei glückliche Punkte, die wir natürlich trotzdem mitnehmen», sagte der 40-Jährige und erinnerte daran, dass seine Mannschaft noch Zeit zur Entwicklung brauche. Sein Gegenüber Andreas Zachhuber bewahrte trotz der dritten Niederlage hintereinander - der siebten insgesamt - die Ruhe. «Wir zahlen momentan Lehrgeld, aber ich bin mir sicher, dass wir mit unseren jungen Spielern auf einem guten Weg sind», sagte Rostocks Trainer. Er muss in diesen Wochen immer wieder das gleiche Fazit ziehen: ordentlich gespielt, die Partie über weite Strecken bestimmt - aber verloren.

Das ist bitter für den 47-Jährigen, dessen Elf sich erneut nicht für eine über weite Strecken couragierte Leistung belohnte. So jubelte der FC St. Pauli, der den ersten Sieg in Rostock nach 15 Jahren feierte. Die Gastgeber werden mangels Geld weiter auf junge Akteure setzen müssen. Überraschend gab der erst 18-jährige Kevin Pannewitz von den A-Junioren des FC Hansa ein gelungenes Profidebüt. Da ist Holger Stanislawski in einer besseren Lage. Trotz aller Zurückhaltung erkennt er, dass es seinem Team «zurzeit ganz gut gelingt» die gemeinsamen Vorstellungen von Fußball umzusetzen.

Am Rande der Partie nutzten Chaoten unter den verfeindeten Anhängern beider Vereine einmal mehr die Fußballbühne für dumpfe Gewalt. Die Gäste-«Fans» fielen vor allem im Stadion auf, als sie nach dem 1:0 Feuerwerkskörper in Richtung Rostocker Anhänger zündeten. Krawallmacher aus dem Hansa-Lager versuchten nach der Partie eine Polizeisperre zu durchbrechen. Dabei flogen auch Steine. 23 Gewalttäter wurden festgenommen, ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen. 27 Polizisten seien verletzt worden, teilte die Rostocker Polizei mit. Erst knapp zwei Stunden nach Spielende beruhigte sich die Lage.

 

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