Kurzbahn-Saison ohne Steffen - Biedermann bangt

Di 03.Nov. 19:22:31 2009

Hamburg (dpa) - Nach dem Trainingsaufenthalt «down under» war Britta Steffens Form im Keller: Deutschlands erfolgreichste Schwimmerin verzichtet daher auf die Kurzbahn-Saison.

«Ich habe einen zu hohen Anspruch an mich. Ich bin Doppel-Olympiasiegerin und - Weltmeisterin, das will ich mir nicht antun», sagte die 25-Jährige am Dienstag. «Ich will nicht als Vierte oder Fünfte anschlagen, das bin ich einfach nicht.» Kurz nach Steffens Verzicht ereilte den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) die nächste Hiobsbotschaft: Wegen eines Muskelfaserrisses bangt Paul Biedermann um seine Kurzbahn-Saison. Die Teilnahme am Weltcup in Stockholm sagte der Doppel-Weltmeister aus Halle/Saale bereits ab, der Start beim Heim-Weltcup in Berlin am 14./15. November wird zu einem Wettkampf mit der Zeit.

Steffen traf die Entscheidung in Absprache mit ihrem Berliner Heimtrainer Norbert Warnatzsch. «Dass sie nicht antreten will, wenn sie nicht fit ist, ist nachvollziehbar», meinte Bundestrainer Dirk Lange. Ein mehrwöchiges Trainingslager Steffens Ende September in Australien war zuvor nicht nach Wunsch verlaufen - die Entscheidung der erklärten Perfektionistin folgerichtig. Statt wie geplant mit Cate Campbell, der erst 17 Jahre alten australischen alten WM-Dritten über 50 Meter Freistil, zu trainieren, war Steffen auf sich allein gestellt. Auch konnte sie sich nicht nach Plänen der zweiterfolgreichsten Schwimm-Nation richten. Lange will nun das Gespräch mit Australiens Chefcoach Alan Thompson suchen.

Biedermann zog sich neben dem Muskelfaserriss auch einen 20 Zentimeter großen Bluterguss im Oberschenkel zu, wie eine Kernspin- Untersuchung in München ergab. Weitere Arzt-Termine in Heidelberg und Haale/Saale sollen weitere Aufschlüsse über die Schwere der Verletzung geben. Lange blieb zunächst optimistisch. «Es wird ein Spiel auf Zeit. Wir werden alles dafür tun, dass er in Berlin und Mitte Dezember bei der Kurzbahn-EM in Istanbul dabei ist», sagte er der dpa. Biedermann muss sich spätestens bei der deutschen Meisterschaft vom 26. bis 29. November in Essen für die EM qualifizieren.

Ursprünglich wollte Steffen die Kurzbahn-Saison in Stockholm beginnen. Danach waren unter anderem Starts beim Heim-Weltcup und bei der Kurzbahn-EM (10. bis 13. Dezember) geplant. Eventuell wird die bekennende Teamplayerin Steffen für die SG Neukölln bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften auf Nebenstrecken ins Wasser springen.

Das nächste große Ziel ist die Langbahn-Europameisterschaft in Budapest vom 4. bis 15. August 2010. In der ungarischen Hauptstadt war Steffens Stern 2006 mit vier EM-Titeln nach zweijähriger Wettkampf-Pause aufgegangen. Nach den Siegen über die 50 und 100 Meter Freistil bei Olympia 2008 in Peking und der WM im Sommer in Rom hatte Steffen signalisiert, wieder eine komplette Kurzbahn-Saison zu bestreiten. Stattdessen wird sie sich nun verstärkt auf ihr Studium der Wirtschaftsingenieurswissenschaften konzentrieren, das 2010 beendet werden soll. Im kommenden Sommer ist dafür ein früherer Saisoneinstieg in die Langbahn-Saison möglich als bisher möglich.

 

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