Rostock (dpa) - Alle Beteiligten waren gewarnt. Beim Spiel der Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock und FC St. Pauli werde es Ärger geben, hieß schon vorher.
Und der Ärger kam nach der Rostocker 0:2-Niederlage - mit Stein- und Flaschenwürfen auf der einen und Wasserwerfer-Einsatz auf der anderen Seite. 29 Polizisten wurden leicht verletzt, eine Polizistin war nicht mehr einsatzfähig. 23 Täter, ausschließlich Rostocker Fans, wurden wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs festgenommen. Sie wurden einen Tag später alle wieder auf freiem Fuß gesetzt.
Im September 2008, als schon damals nach dem Spiel der beiden Vereine gegeneinander vor der DKB-Arena die Gewalt eskaliert war, war die Polizei wegen ihres zu milden Vorgehens massiv kritisiert worden. Nun, wenige Stunden nach der nächtlichen Randale, zeigte sich die Polizei weitgehend zufrieden. Das Konzept der strikten Trennung der Fans sei voll aufgegangen, sagte der Chef der Rostocker Polizeiinspektion, Peter Mainka. Rund 1900 Landes- und Bundespolizisten waren im Einsatz, Hansa Rostock stellte zudem noch rund 500 Ordnungskräfte.
Mainka sprach dabei von einer neuen Qualität der Gewalt. Zivile Einsatzkräfte seien «zielgerichtet attackiert worden», sagte er. Sie seien in Fallen gelockt und von mehreren Tätern angegriffen worden. Auch Verkehrspolizisten seien angegriffen, bei Fahrzeugen die Scheiben eingeworfen worden. Solches Verhalten sei bislang nur aus Metropolen wie Hamburg oder Berlin bekanntgewesen. Das müsse der Gesellschaft zu denken geben, die Polizei könne das Problem nicht lösen. «Wir sind die Ausputzer», betonte Mainka.
Trotz des vergleichsweise glimpflichen Verlaufs belebten die Krawalle die Debatte um geeignete Vorsorgemaßnahmen und die Verantwortung der Fußball-Clubs neu. So forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Vereine zu mehr Vorbeugung gegen Gewalt auf. Alle Verantwortlichen müssten überlegen, was man besser machen könne, sagte GdP-Chef Konrad Freiberg dem Nachrichtensender n-tv. «Es sind ihre Fans, man kennt sich untereinander.» Randalierer müssten mit Stadionverboten belegt werden. Hansa-Sprecher Karsten Lehmann sagte, der Verein werde konsequent gegen Straftäter vorgehen. Das Verhalten dieser «Fans» sei extrem imageschädigend.
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) appellierte an die Verantwortung der Spieler. Diese dürften nicht noch mit eindeutigen Gesten die Stimmung im Stadion anheizen. «Auf dem Platz sind sportliche und keine schauspielerischen Leistungen gefragt», betonte der Minister. Er bezog sich dabei auf eine provozierende «Kopf-ab»-Handbewegung des St.-Pauli-Torschützen Deniz Naki in Richtung der Hansa-Fans.
Die Kosten für die Polizeiaktion gehen nach Caffiers Angaben in die Hunderttausende. «Es ist der Gesellschaft nicht länger zuzumuten, dass derartige Polizeieinsätze auf dem Rücken des Steuerzahlers ausgetragen werden», sagte der Minister. Er sprach sich dafür aus, Gewalttäter in Regress zu nehmen und forderte deren schnelle und konsequente Bestrafung. «Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass ein brutaler, gewalttätiger und damit krimineller Mob unter dem Deckmantel des Fußballs regelmäßig friedliche Bürger tyrannisiert, die Polizei angreift und die Justiz herausfordert», sagte der Minister weiter.
Schon nach der Führung der Hamburger waren im St.-Pauli-Block Feuerwerkskörper abgebrannt worden. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) unterbrach die Partie daraufhin für drei Minuten. Die Trainer beider Mannschaften distanzierten sich sowohl von den Feuerwerksaktionen als auch von gewalttätigen Ausschreitungen. «Das sind Leute, die, als der liebe Gott das Gehirn verteilt hat, nicht 'Hier!' geschrien haben», sagte St. Pauli-Trainer Holger Stanislawski im Sportsender DSF.
Gemischt fiel das Urteil der Polizei für die angereisten St.- Pauli-Fans aus. Für die Beamten überraschend sei es bei der Anreise zum Werfen von Feuerwerkskörpern, Steinen und Flaschen gekommen. Anders das Bild nach dem Spiel. Während sich vor dem Stadion Hansa- Anhänger die Scharmützel mit der Polizei lieferten, zogen die Hamburger bewacht von mehreren hundert Polizisten von dannen.




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