Hamburg (dpa) - Thomas Haas hat die Schweinegrippe überwunden. Doch das Saisonfinale ist für den besten deutschen Tennisspieler trotzdem gelaufen.
Statt mit Roger Federer und Rafael Nadal im Kreis der besten acht Profis vom 22. November an um den Weltmeistertitel streiten zu können, plagt sich der 31-Jährige Wimbledon-Halbfinalist mit Verletzung und Krankheit herum. Erst die erneuten Schmerzen an der schon dreimal operierten rechten Schulter, nun die Infektion mit dem neuen H1N1-Virus. Die Turniere in Schanghai und Stockholm musste er verletzt oder krank abbrechen, für Basel in dieser Woche sogar ganz absagen - und damit seine WM-Ambitionen endgültig begraben.
Die Symptome habe Haas relativ schnell überwunden, was seiner gesundheitlichen Fitness geschuldet sei, erklärte der Team-Arzt der deutschen Davis-Cup-Mannschaft, Erich Rembeck, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Haas muss jetzt nur wieder zu Kräften kommen. «Wie alle Tennisspieler ist auch Tommy Haas international viel unterwegs. Dadurch erhöht sich natürlich die Ansteckungsgefahr.» Auf der anderen Seite sind Spitzensportler aber auch widerstandsfähiger, so dass der Verlauf der Erkrankung in den meisten Fällen sehr viel kürzer und meist auch weniger heftig ist. «Und Folgeschäden sind nicht zu befürchten», sagte Rembeck, in dessen Münchner Praxis der Weltranglisten-17. behandelt worden war.
Im September war bereits Spitzenturner Philipp Boy an der Schweinegrippe erkrankt. Doch auch der EM-Vierte wurde rasch gesund und konnte Mitte Oktober an der WM in London teilnehmen. Als erster deutscher Spitzensportler hatte sich der Kieler Handball-Weltmeister Dominik Klein mit dem neuen H1N1-Virus angesteckt. Bei Fußball- Bundesligist Hannover 96 mussten die Profis Steven Cherundolo, Jan Rosenthal und Vinicius mehrere Tage in Quarantäne verbringen, nachdem sie Kontakt mit infizierten Spielern gehabt hatten.
100 Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver warnte DOSB-Generaldorektor Michael Vesper vor übertriebenen Reaktionen: «Zu Panik besteht überhaupt kein Anlass. Alle unsere Wintersportler sind in besten Händen», sagte der Spitzenfunktionär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), «wir beobachten die Entwicklung gemeinsam mit unseren Spitzenverbänden sehr genau. Die Empfehlung unserer Mediziner lautet momentan, die Abwägung zwischen Impfschutz und möglichen Nebenwirkungen dem jeweiligen Arzt-Athleten- Gespann zu überlassen, da die Entscheidung über eine Impfung besser vor Ort getroffen werden kann.»
Haas hofft unterdessen auf eine Rückkehr zum Tour-Alltag in der kommenden Woche. «Ich hoffe noch immer, in Bercy kommende Woche spielen zu können», sagte Haas sechs Tage vor Beginn des letzten Masters-Turniers im Pariser Palais Omnisport. Es wäre der Schlusspunkt unter eine Saison mit Höhen und Tiefen. Schon in Roland Garros spielte sich der Hamburger im Frühjahr zurück in die Herzen der Tennis-Fans. Seinem Freund Roger Federer hätte er um ein Haar den Traum vom ersten French-Open-Titel verdorben, doch im Achtelfinale konnte er eine 2:0-Satzführung nicht nutzen. Der Triumph in Halle leitete sein bestes Wimbledon ein, das erst im Halbfinale von Federer beendet wurde.
Bei seinem Lieblingsturnier in Flushing Meadows war dagegen wie in Melbourne schon in Runde drei alles vorbei. Die folgende Erholungsphase brachte keinen Umschwung für den Wahl-Amerikaner, der als erster Tennisprofi von der Schweinegrippe erwischt wurde. «Vorletzte Woche beim Turnier in Stockholm ging es los. Kratzen im Hals, nachts Schüttelfrost und Fieber. Es war drei Tage richtig schlimm. Es ging mir richtig schlecht.»
Vor allem die vielen Flüge von einem Kontinent zum anderen sind eine stete Ansteckungsgefahr. «Tommy lebt zudem in den USA, wo die Verseuchungsrate erheblich höher ist als hierzulande», erklärte Mediziner Rembeck. Viel trinken, damit die Schleimhäute feucht bleiben und die Viren abwehren können, sowie mehr als sonst die Hände waschen sind probate Mittel zur Vorbeugung, die auch Davis-Cup- Kapitän Patrik Kühnen beherzigt. «Die Spieler müssen besonders auf ihr Immunsystem achten», meinte der frühere Weltklassespieler. Beim Turnier in Basel sei die Schweinegrippe ein Gesprächsthema - und die Erkrankung von Thomas Haas natürlich. Mehr aber auch nicht.


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