Eurosport - Mo 03.Sep. 08:22:00 2007
Die deutsche 4x400m-Staffel ist am WM-Schlusstag im wahrsten Sinne des Wortes aufgelaufen. Ein Surz am dritten Wechsel brachte das DLV-Männerquartett um alle Chancen. Die Titel in den letzten beiden Entscheidungen der 11. Titelkämpfe gingen bei den Damen wie Herren an die Teams aus den USA.
Die entscheidende Szene im letzten WM-Rennen spielte sich beim Stabwechsel von Simon Kirch auf Kamghe Gaba ab: Der Frankfurter prallte gegen einen polnischen Rivalen, stürzte und musste chancenlos hinterher sprinten. "Keine Ahnung, was da passiert ist. Ich habe nur geguckt, dass ich das Holz kriege", ärgerte sich Gaba nach dem Fauxpas, "plötzlich stand da der Pole und es hat gescheppert." Dem Konkurrenten wollte aber keiner die Schuld in die Schuhe schieben: "Eine Vorfahrtsregel gibt es nicht. Ich hätte es vielleicht verhindern können", sagte Gaba.
Nicht zu stoppen war aber das von 400m-Einzelsieger Jeremy Wariner ins Ziel geführte US-Quartett, das in der Weltjahresbestzeit von 2:55,56 Minuten mit über drei Sekunden Vorsprung vor den Bahamas und Polen siegte. Die deutsche Staffel kam nach dem Wechsel-Pech in 3:07,40 Minuten ins Ziel. "Wir haben die Polen gestern geschlagen. Platz drei oder vier wäre drin gewesen, aber so ein Sturz ist natürlich fatal", sagte der frühere Vize-Weltmeister Ingo Schultz. "Schade um die Chance."
Wieder DLV-Staffelpanne
Als sich als Schlussläufer Bastian Swillims auf dem Weg machte, war kein Blumentopf mehr zu gewinnen: "Da war die Spannung raus. Mir war klar, dass da nichts mehr zu machen war." Der Dortmunder war Anfang März bei der Hallen-EM in Birmingham der Auslöser für das erste Pannenrennen des Quartetts in diesem Jahr gewesen: Wegen seines Remplers hatten er und seine Kollege das Gold wieder hergeben müssen.
Dieses Mal hatte Gaba wohl etwas zu lange nach hinten geschaut. Nach dem Vorlauf hatte er "einen Anschiss vom Bundestrainer" bekommen, so Swillims, weil er den Wechsel fast verpatzt hätte. Deshalb wollte er dieses Mal den Stab ganz sicher in der Hand haben, ehe er sich umdrehte und losrannte. "Man darf da nicht auf der Bahn campieren, aber der Pole konnte sich auch nicht in Luft auflösen", sagte Swillims.
Russland schaut in die Röhre
Das Staffelrennen der Damen wurde ebenfalls eine Beute der USA, allerdings lagen die Favoritinnen in 3:18,55 Minuten längst nicht so weit vor der Konkurrenz wie ihre männlichen Teamkollegen. Mit Landesrekord sicherte sich Jamaika in 3:19,73 Silber, dahinter fing die britische Schlussläuferin Nicole Sanders ebenfalls mit einer nationalen Bestmarke die stärker eingeschätzten Russinnen noch ab.
DPA