UEFA Champions League - Reine Formsache vor dem Spiel der Spiele
Wenn man sich dieser Tage in Manchester auf die Suche nach Gesprächsthemen macht, dann wird man schnell fündig. Qualitativ. Denn quantitativ erschöpft sich die Suche recht schnell: es gibt nur ein Thema. Und natürlich geht es dabei um Fußball, logisch.
Aus Manchester berichtet Michael Wollny
Der Taxi-Fahrer spricht darüber. Geschäftsleute diskutieren in der "Metrolink", Manchesters U-Bahn-S-Bahn-Tram-Bahn-Hybrid. Auch zwei Beamte der Greater Manchester Police auf Streife: "D'you think we'll make it?" - "Yea, we gonna snatch it!"
Die "Mancunians" fiebern in der Stadt dem Spiel der Spiele entgegen. Schließlich stehen ihre "Red Devils" vor dem entscheidenden vorletzten Schritt. Noch ein Sieg, dieses eine Duell, dann wäre man fast am Ziel. Das Team von Sir Alex Ferguson hat die besten Karten in der Hand, hat die Nase vorn. Der Gegner darf einfach nur nicht hoch gewinnen, dann war's das.
Erst die Arbeit….
Aber Halt! - Davor wartet ja noch dieses…äh…"Shälke"?
Genau. Schalke. So ist das nun mal. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Oder sagen wir, erst die Pflicht, dann die Kür. Denn genau so wird das Rückspiel im Halbfinale der Champions League von Uniteds Fans eingeordnet: als lästige Pflicht gegen dieses "Shälke", das mit einem 0:2-Rucksack als Handgepäck auf die Insel eingeflogen ist.
Der Bundesligist und die Champions League sind jetzt erst mal Nebensache. Es ist der Big-Four-Kracher am kommenden Sonntag, über den man in Manchester spricht. Das entscheidende Duell gegen Verfolger Chelsea in der Premier League. Die "Red Devils" wollen den verhassten Rivalen aus Liverpool endlich in den Geschichtsbüchern hinter sich lassen, als alleiniger Rekordmeister Englands.
Doch United unterlag am vergangenen Wochenende in der Meisterschaft Arsenal und Chelsea gewann das Stadt-Derby gegen die "Spurs". Nun trennen Manchester und die "Blues" nur noch drei Punkte bei gleichem Torverhältnis. Gewinnen Rooney, Giggs & Co. also, dann sollte in den beiden letzten Duellen gegen Blackburn und Blackpool trotz deren Abstiegskampf eigentlich nicht mehr all zu viel anbrennen.
Diktiert Chelsea die Aufstellung?
Dass gegen den FC Schalke 04 noch irgend etwas anbrennen könnte, davor kann Sir Alex Ferguson bestenfalls pflichtschuldig warnen: "Für unsere Fans ist das Spiel nur noch reine Formsache", erklärte das Trainer-Urgestein den Journalisten im Presseraum des Old Trafford. "Aber wir werden hart arbeiten müssen, um weiterzukommen." Gefragt, geantwortet - und schon drehte sich die nächste Frage wieder um Chelsea.
Und da musste dann auch der 69-Jährige einräumen, dass er diesem "wichtigen Spiel am Sonntag" bei der Aufstellung gegen Schalke "Rechnung tragen" werde. Es werde in der Starformation Änderungen geben, verriet Ferguson, relativierte dann aber etwas nebulös, dass "der Kern der Mannschaft" bestehen bleibe. So muss man also weiter abwarten, ob und in welchem Ausmaß Uniteds Trainer gegen die Elf von Ralf Rangnick rotieren lassen wird.
Wayne Ronney hatte das Abschlusstraining jedenfalls ausgelassen. "Er ist ein bisschen angeschlagen", bestätigte Ferguson. "Aber ich hoffe doch sehr, dass er gegen Schalke dabei ist."
Wahrscheinlich hätte Rooney auch trainiert, hätte Manchester auf Schalke nicht den Grundstein für den Weg ins Finale gelegt. Aber so ist das nun mal dieser Tage in Manchester. Die nächste Grundsteinlegung steht an.
Am Sonntag gegen den FC Chelsea. Und United erlaubt sich Prioritäten…
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