Eurosport - Sa 03.Mai. 08:48:00 2008
Nationalspieler Dominik Klein vom THW Kiel spricht im Exklusiv-Interview bei eurosport.yahoo.de über das Champions-League-Finale gegen BM Ciudad Real. Der Linksaußen verrät außerdem, welche Momente seiner Laufbahn ihm besonders in Erinnerung geblieben sind.
2007 hat Kiel alles gewonnen und auch 2008 ist das Triple möglich. Trotzdem gibt es auch beim THW Dinge, die noch zu verbessern sind. Wo sehen Sie diesbezüglich Handlungsbedarf?
Dominik Klein: Darüber mache ich mir schon Gedanken, weil der Coach mit uns natürlich darüber spricht. Aber wir gehen in unsere Spiele, um das zu zeigen, was wir gut können. Mit den Angriffsleistungen der letzten Partien sind wir aber in der Tat nicht zufrieden. Das müssen wir verbessern und unser Spiel wieder so aufziehen, wie wir das in der Vergangenheit getan haben. In den letzten zwei, drei Begegnungen ist uns das leider nicht geglückt.
In den Finalspielen der Champions League treffen Sie auf Ciudad Real, den reichsten Handball-Klub der Welt. Wie gut kennen Sie den Gegner und wo liegen seine Stärken?
Klein: Wir haben an unserer Einstellung der Erfolgs-Saison 2007 nichts geändert und denken immer nur von Spiel zu Spiel. Das heißt im Klartext: Erst ab Freitag ist bei uns die Videokassette von Ciudad im Rekorder. Dann allerdings geht unsere Vorbereitung auf das Match in die heiße Phase. Aber ich kenne die Real-Spieler natürlich, denn das sind reihenweise internationale Weltklasse-Leute.
Im Rückspiel genießt Kiel das Heimrecht. Kann dieser Vorteil das Finale zu Ihren Gunsten entscheiden?
Klein: Bei unserem Erfolg in der vergangenen Saison hatten wir in der Champions League immer im Rückspiel das Heimrecht. In diesem Jahr war es im Halbfinale gegen den FC Barcelona umgekehrt, und so wussten wir nicht genau, was uns erwartet. Wir haben dann aber bewiesen, dass man auch ein Team wie "Barca" zu Hause mit zehn oder sogar mehr Toren Unterschied schlagen kann. Ob das Heimrecht nun ein Vorteil ist oder nicht - schöner ist es allemal, das zweite Spiel in eigener Halle zu bestreiten. Es war schon sehr komisch, sich nach der Niederlage in Barcelona über den Finaleinzug zu freuen.
Ciudad hat den Pokal in Spanien gewonnen und führt die Liga an - gleiches gilt für Ihr Team in Deutschland. Treffen im Champions-League-Finale also die beiden stärksten Mannschaften Europas aufeinander?
Klein: Ja, das würde ich unterstreichen. Grundsätzlich geben sich die Bundesliga und die spanische Liga nichts. Im vergangenen Jahr wurde die Bundesliga aber mit den Erfolgen in allen Europapokal-Wettbewerben als stärkste Serie in Europa eingeschätzt. In dieser Saison sieht es bislang fast genauso aus. Unter den vier Halbfinalisten der Champions League fanden sich mit Hamburg, Barcelona, Ciudad und uns je zwei Klubs aus Spanien und Deutschland - und das sind schon die Topteams.
Im Vergleich zur letzten Saison ist Ihr persönlicher Torschnitt von rund vier Treffern auf etwas unter drei pro Spiel zurückgegangen. Machen Sie sich darüber Gedanken oder ist das eine statistische Randnotiz ohne allzu große Aussagekraft?
Klein: Letzteres ist meiner Ansicht nach der Fall. Einer Statistik mit Spielanteilen und Abwehreffektivität würde ich mehr Bedeutung zumessen. Bei dieser Menge an Partien, die wir bestritten haben, teilt man sich natürlich die Spielposition. Zusammen mit meinem Partner auf Linksaußen, Henrik Lundström, fallen die Statistiken dann schon ganz anders aus. Ich sehe uns als Team. Ob ich nun auf der Bank sitze oder auf dem Spielfeld stehe - ich freue mich über unsere Erfolge und da ist es egal, wer da die Tore macht. Dabei nehme ich immer das Positive mit - zum Beispiel, dass ich in wichtigen Spielen treffen und der Mannschaft helfen kann. Das alleine zählt in unserem Mannschaftssport, und ich sehe mich ganz klar als Teamplayer.
Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie sich neben dem Handball noch um Ihr Studium kümmern wollen. Wenn man beim derzeit erfolgreichsten Team der Welt spielt und zudem einen Terminstress wie in wenigen anderen Sportarten hat - bleibt da überhaupt noch Zeit für Privates?
Klein: Ich versuche es natürlich. Wenn man allerdings innerhalb weniger Tage beispielsweise in Leon, in Moskau und in Wilhelmshaven spielt, kann man sich vorstellen, das wenig Zeit bleibt. Aber in einer geregelten Woche, wenn vielleicht mal das Vormittagstraining ausfällt, kann ich mich schon mal an den Schreibtisch setzten. Ich mache mir da aber überhaupt keinen Druck.
Sie haben einmal das Gänsehaut-Gefühl nach Ihrem ersten Regionalliga-Tor mit 17 Jahren bei der TUSPO Obernburg beschrieben. Welchen Moment aus Ihrer Zeit als Profi würden Sie als den intensivsten beschreiben?
Klein: Da gab es natürlich allein schon 2007 einige. Spontan fällt mir außerdem mein erstes Bundesliga-Tor ein, das ich nie vergessen werde. Das war beim TV Grosswallstadt ein Treffer zum Unentschieden gegen Frisch Auf Göppingen. Aber jeder Moment, den man mit Mitspielern und Freunden gemeinsam feiern kann, ist einzigartig. Da fallen mir alle möglichen Bilder ein: Zum Beispiel der Kieler Rathausplatz, auf dem wir mit den THW-Fans im vergangenen Jahr drei Titel feiern konnten. Das sind die Erlebnisse, die einen dann für die Zukunft motivieren.
Sie sind erst 24 Jahre alt, haben mit Kiel alles erreicht und einen Vertrag bei den "Zebras" bis 2011. Wäre danach ein Wechsel ins Ausland, zum Beispiel nach Spanien, denkbar?
Klein: Die langfristige Vertragsverlängerung beim derzeit besten Verein der Welt ist für mich ein Riesenerfolg. Deshalb erfülle ich meinen Vertrag hier in Kiel mit ganzem Stolz und Leidenschaft. Bis 2011 gibt es noch so viel zu gewinnen. Darauf konzentriere ich mich und mache mir auch überhaupt keine Gedanken über irgendwelche Alternativen.
Das Interview führte Tobias Laure / Eurosport