Bundesliga - Das Kroos-Dilemma: Es droht Streit
Fr 03.Feb. 10:28:00 2012
Toni Kroos muss beim FC Bayern die Lücken stopfen. Doch tut das den Münchnern wirklich gut? Thomas Müller befindet sich im Formtief und läuft trotzdem als "Zehner" auf. Dort, wo eigentlich Kroos hingehört. Trainer Jupp Heynckes steckt in einer Sackgasse, aus der er nur schwer wieder herauskommt.
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Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen (twitter: @DanielRathjen)
Bei Jupp Heynckes ist die Technik das A und O.
Der Trainer des FC Bayern legt großen Wert auf den sauberen Pass, die Übersicht, die schnelle Verarbeitung der Bälle.
Toni Kroos vereint diese Fähigkeiten und genießt nicht nur deshalb einen enorm hohen Stellenwert bei ihm. Unter der Regie des 66-Jährigen beging er in dieser Saison tatsächlich den nächsten Schritt in seiner Entwicklung und mauserte sich vom Mitläufer zum Spielgestalter auf der "Zehn".
Doch genau dort liegt auch ein Problem. Zugegeben, es ist eher ein "Luxusproblem". Trug Kroos die Mannschaft auf dieser Position noch durch die Hinrunde, muss er nun Lücken stopfen. Am Samstag (18:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) gegen den Hamburger SV wird er neben Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld aushelfen.
Jeder weiß, dass das nicht seinen Vorstellungen entspricht. "Ich habe bewiesen, dass ich das auch spielen kann, aber ich sehe - und ich denke, das sieht der Trainer auch so - mich eher offensiver", hat der 22-Jährige schon oft betont.
Fehlt Kroos im Kreativzentrum, mangelt es dem Rekordmeister am gewissen Etwas. Seine Passquote liegt bei beachtenswerten 88 Prozent. Auch Franck Ribéry hat sich am Donnerstag mit Vehemenz für ihn als "Zehner" ausgesprochen. "Kroos ist besser für mich auf der Zehn", stellte er unmissverständlich klar.
Duell zwischen Müller und Kroos
Thomas Müller wird das mit Sicherheit nicht gerne vernommen haben. Er ist und bleibt eine Frohnatur, doch wird seine Wertigkeit infrage gestellt, setzt ihm das schon zu. Der WM-Held steckt im Formtief. Heynckes forderte zuletzt von ihm, dass er "wieder mehr Torgefahr entwickeln" müsse. Er steht unter Beobachtung.
Müller wird - im Gegensatz zu Kroos - an Toren gemessen. In der Zentrale ist der 22-Jährige eigentlich sehr effektiv, doch mittlerweile wartet er seit 1038 Minuten auf einen Treffer. Er ist nicht als egoistischer Spieler bekannt, dennoch beeinflusst ihn diese Tatsache vielleicht in manchen Situationen.
Der Konkurrenzkampf wird beim FC Bayern immer groß sein - doch wenn Arjen Robben und Ribéry fit bleiben, wird sich das Duell Kroos/Müller trotz aller Rotation zuspitzen. Die "Sport-Bild" berichtet, dass Kroos hinter vorgehaltener Hand "Liebling" oder "Trainersohn" genannt wird, das "Vater-Sohn-Verhältnis" werde im Mannschaftskreis eher kritisch beäugt.
Zoff-Szene im Training
Feuer ist im brennenden Vierkampf an der Spitze ohnehin genug drin - auch bei Eisschranktemperaturen in München. Im nicht-öffentlichen Training am Donnerstag soll es laut "tz" zu einem lautstarken Zwischenfall gekommen sein. Dieses Mal dabei im Zentrum: Kroos.
Nach dem Bericht der Zeitung spielte sich die Zoff-Szene so ab: "David Alaba trat einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld. Die Flanke geriet ein wenig zu nah an Manuel Neuers Tor, eigentlich ein leichter Fang für den Bayern-Keeper. Doch auch Toni Kroos stieg hoch, um den Ball zu klären, behinderte mit seinem Arm dabei aber versehentlich Neuer, der samt Ball zu Boden ging."
Daraufhin raunzte der Nationalkeeper Kroos an: "Wie gehst du denn hin?" Und legte noch ein Schimpfwort nach. Kroos entgegnete: "Was willst du denn, du …!" Neuer: "Ja geh’ doch vernünftig hin!" Daraufhin wollte Kroos wieder loslegen, die Situation drohte zu eskalieren - ein Mitspieler soll Kroos sogar davon abgehalten haben, sich Neuer zu nähern. Erst als Heynckes seine Stimme erhob und "Ruhe, Männer!" schrie, war der Streit vorbei.
Gegen den HSV müssen die Bayern wieder mehr harmonisieren. "Wir müssen mehr zusammen spielen", forderte Ribéry ebenfalls.
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