Bundesliga - Kehl: "Bayern bleibt der Top-Favorit"
Fr 03.Feb. 23:25:00 2012
Sebastian Kehl erklärt im Exklusiv-Interview, warum Meister Dortmund den Ausfall von Superstar Mario Götze kompensieren kann. Zudem äußert der BVB-Kapitän sein Bedauern über das jähe Ausscheiden in der Champions League und spricht über seine Rolle als erfahrener Recke im Kreis der "jungen Wilden".
Das Interview führte Raphaela Carina Jann
Nach den ersten Spielen der Rückrunde kommt die Frage auf: Was kann Borussia Dortmund stoppen?
Sebastian Kehl: Da sind gleich mehrere gute Gegner, die wir in der Rückrunde noch bezwingen müssen. Auch wenn wir uns im Moment in einer guten Ausgangsposition befinden, wollen mit Bayern, Gladbach, Schalke und vielleicht auch noch Bremen und Leverkusen etliche Mannschaften vorne mitspielen. Deswegen wäre es jetzt deutlich verfrüht, in Euphorie zu verfallen.
Was sagt es über die Qualität der Mannschaft aus, wenn man einen Mario Götze quasi nahtlos ersetzen kann?
Kehl: Das sagt natürlich eine Menge über die Qualität unseres Kaders aus, die sehr gut ist. Gerade im Offensivbereich sind wir unglaublich gut besetzt und haben zahlreiche Alternativen. Das haben wir bereits in der Hinrunde unter Beweis gestellt. Ich erinnere an das Beispiel Shinji Kagawa, der vergangene Saison eine fantastische Hinrunde gespielt hat und in der Rückserie verletzungsbedingt nicht einsatzfähig war. Wir konnten seinen Ausfall trotz allem kompensieren. Auch ich war lange verletzt. Das unterstreicht, welche Qualität in diesem Kader steckt und dass wir mit solchen Rückschlägen umzugehen wissen.
Sie haben nach dem 5:1-Kantersieg in Hamburg geäußert, die Zielsetzung wäre nicht die Titelverteidigung, sondern "nur" das Erreichen des internationalen Geschäfts...
Kehl: Es war nicht so, dass ich nicht gesagt hätte, dass der erneute Gewinn der deutschen Meisterschaft nicht auch ein Ziel sein könnte. Ich habe mich nur dahingehend geäußert, dass wir den Titel nicht unbedingt verteidigen müssen, da es mit Bayern München in dieser Saison einen anderen großen Favoriten gibt. Ich halte auch weiterhin daran fest, dass die Münchner der Topfavorit auf den Titel sind. Wir haben in der Hinrunde und auch mit einem guten Start in die Rückrunde gezeigt, dass wir durchaus in der Lage sind, vorne mitzuspielen und für Furore zu sorgen. Unser Ziel sind die internationalen Plätze und es gibt viele Positionierungen, die hier dazugehören.
Stichwort internationale Plätze: Was hat die Mannschaft aus dem Vorrunden-Aus in der Champions League gelernt?
Kehl: Zunächst einmal hat es uns riesig gewurmt, weil wir in dieser Gruppe viele Möglichkeiten hatten, weiterzukommen. Wir haben uns in vielen Spielen ganz einfach nicht besonders clever angestellt, viele Gegentore bekommen und unsere Möglichkeiten selten genutzt. Zudem haben wir die Zielstrebigkeit, die wir in der Bundesliga an den Tag gelegt haben, vermissen lassen. Natürlich hat sich jeder Spieler darüber seine Gedanken gemacht. Trotz alledem steht im nächsten halben Jahr die Bundesliga im Fokus, auch wenn wir uns auf eine Teilnahme in einem internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison freuen. Aber bis dahin müssen wir erst einmal eine Menge Arbeit leisten. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns künftig auf internationalem Terrain anders präsentieren werden.
Inwiefern könnte sich das frühe Ausscheiden in der "Königsklasse" als Vorteil in der Bundesliga auswirken?
Kehl: Ich sehe keinen großen Vorteil darin. Viele Mannschaften mögen das vielleicht so denken, weil sie sagen, die BVB-Spieler haben die internationale Belastung nicht mehr. Ich wiederum finde es schade, weil wir in der Vorrunde gezeigt haben, dass wir mit diesem Rhythmus sehr gut umgehen können und gerade bei den schwierigen Spielen noch einen draufgesetzt haben. Andererseits werden wir die Kräfte natürlich bündeln, um wenigstens noch im DFB-Pokal sehr weit zu kommen. Ansonsten werden wir uns natürlich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren.
Sie sind einerseits Kapitän, anderseits einer der erfahrenen Spieler in Dortmund. Wie interpretieren Sie Ihre Rolle in der Mannschaft?
Kehl: Zunächst einmal bin ich Kapitän. Das beinhaltet eine gewisse Positionierung innerhalb des Kaders und einer bestimmten Ansprache. Dieser Rolle versuche ich natürlich gerecht zu werden. Ansonsten versuche ich, mich um viele weitere Belange zu kümmern. Ich gebe den Jungs Hilfestellung in schwierigen Situationen wie Verletzungen oder wenn der Trainer einmal nicht die Wertschätzung geben kann, die sich ein Spieler vielleicht in diesem Moment erhofft. Da gibt es viele Situationen, in denen die Spieler einen guten Rat brauchen können. Ich habe ja am eigenen Leib schon einiges erlebt und kann deshalb auch eine gute Hilfe sein. Das habe ich in den letzten Jahren auch versucht, nur war ich leider häufig verletzt. Jetzt kann ich es auch auf dem Platz wieder zeigen.
Das bedeutet, Ihre Rolle ist vor allem auch außerhalb des Platzes zu spüren?
Kehl: Die wichtigste Aufgabe ist definitiv die auf dem Platz. Das ist auch mein Anspruch. Wieder Stammspieler zu sein, ist auch eine Bestätigung für meine harte Arbeit. Aber ich weiß natürlich auch, dass meine Rolle über das Fußballfeld hinausgeht, um auch im Umfeld für Orientierung und Richtlinie zu sorgen.
Was bedeutet die Vertragsverlängerung von Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc für den Verein und die Region?
Kehl: Ich glaube, dass es ein deutliches und absolut positives Zeichen war, dass der Trainer und auch Michael Zorc, die in den letzten Jahren eine fantastische Arbeit geleistet haben, sich bekennen und ihre Verträge noch einmal um zwei Jahre verlängern. Es wurde ja immer mal wieder darüber spekuliert, Jürgen Klopp würde sich mit Wechselgedanken befassen. So hat er ein Zeichen gesetzt, dass er sich sehr wohl fühlt und mit dem Verein noch eine Menge vorhat. Das Dreigestirn Watzke, Zorc und Klopp passt in meinen Augen sehr gut zusammen und wird in den nächsten Jahren das stabile Gerüst von Borussia Dortmund bilden.
Ihr Vertrag läuft am 30. Juni 2012 aus. Sie haben signalisiert, dass Sie gerne in Dortmund bleiben würden. Welche Tendenz lässt sich daraus ablesen?
Kehl: Dass ich gerne hier bleiben würde. Wir werden jetzt sicher noch einmal intensivere Gespräche führen, aber grundsätzlich gehe ich davon aus, dass ich bei Borussia Dortmund bleibe. Auf einen Zeitraum, wann die Vertragsverhandlungen beendet sein werden, möchte ich mich nicht festlegen. Ich bin ja schon sehr lange beim BVB und ich weiß, wenn wir uns erst mal annähern, kann es sehr schnell gehen.
Video - Kehl exklusiv: "Will in Dortmund bleiben"
Dortmund : itw Kehl
TV-Tipp:
Der African Cup of Nations - vom 21. Januar bis 12. Februar. Eurosport und Eurosport2 zeigen alle 32 Spiele live im TV und im Eurosport Player und berichten ausführlich aus Äquatorialguinea und Gabun. Mehr als 200 Stunden Berichterstattung lassen für Fußballfans keine Wünsche offen.
Eurosport
Bemerkung
Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.