Eurosport - Di 29.Dez. 20:05:00 2009
Auch ein Radprofi hat als fünffacher Vater zwischen den Jahren viel um die Ohren. eurosport.yahoo.de spricht mit dem 38-jährigen Jens Voigt zwischen Kindergarten, Carport-Training, Dusche und einem Zahnarzttermin seines Sohnes über Game-Boy-Spiele, den Tour-Sieger 2010 und seine eigene Zukunft.
Herr Voigt, es ist Dezember, es ist kalt. Wie sieht denn ein Trainingstag im tiefsten Winter bei Ihnen aus?
Jens Voigt: Ich versuche meine Routine beizubehalten und um neun Uhr los zu kommen, weil ich bemerkt habe, dass ich es um zwölf oder ein Uhr sowieso nicht schaffe. Ich muss aufstehen, essen und los, bevor ich anfange nachzudenken.
Also bewegen Sie sich die meiste Zeit im Freien, ein Tag auf der Rolle ist eher selten?
Voigt: Ja, ich versuche viel draußen zu fahren, bin nicht so ein Drinnenfahrer. Wenn es glatt ist, muss man natürlich sagen: Mein Körper ist mein Kapital. Dann gehe ich doch mal auf die Rolle. Aber die baue ich mir dann meistens im Carport auf - da bin ich auch draußen und man schwitzt nicht wie verrückt.
Sie haben fünf Kinder. Wie schwer ist es da, sich jeden Tag zum Training zu motivieren?
Voigt: Als Familienvater muss ich natürlich schauen, dass ich alles unter einen Hut bekomme. Wenn meine Frau Stephanie Hilfe braucht, dann fahre ich eben nur eine kleine 30-Kilometer-Runde. Auf der anderen Seite: Wenn man das Training morgens erledigt hat, dann hat man den Nachmittag für die Kinder, wenn die aus dem Kindergarten und der Schule kommen.
Weihnachten liegt gerade hinter uns. Wie und wo hat denn die Familie Voigt gefeiert? Gab es eine Einladung von Claudine Ledoux, der Bürgermeisterin von Charleville-Mézières, wo sie bereits fünf Mal das Criterium International gewonnen haben?
Voigt: Klar, ich könnte bei denen da drüben natürlich fast Ehrenbürger werden. Aber Weihnachten feiern wir ganz traditionell zuhause. Am 25. kam dann Stephanies Familie und am 26. meine - so haben wir alle abgearbeitet.
Und was lag unterm Weihnachtsbaum? Neues Material vom Team?
Voigt: Mein neues Rad habe ich schon vorher bekommen und auch das Trikot durfte ich schon sehen - die neue Teambekleidung darf allerdings erst ab 1. Januar draußen gezeigt werden. Aber das Rad kann mir den Buckel runterrutschen, ich wollte lieber ein Game-Boy-Spiel.
Was?! Sie spielen Game Boy?
Voigt: Das ist einfach eine tolle Sache, wenn man viel am Flughafen sitzt und Zeit zum Totschlagen hat. Das Ding hat man immer dabei, es ist klein und praktisch.
Und was für ein Spiel gab es?
Voigt: "Zelda", das ist sehr schön und da hatte ich meine Frau schon vorsichtig drauf hingewiesen. Ich mag diese Rollenspiele immer gern, wo man ein kleiner Charakter ist und sich nach und nach durch verschiedene Welten kämpfen muss.
Zurück zum Sport. In welcher Trainingsphase befinden Sie sich denn momentan?
Voigt: Im Augenblick ist man zwar froh, wenn man draußen am Leben bleibt bei der Kälte, aber sicher geht der Schwerpunkt von den reinen Grundlagen langsam in Richtung Intervalle. Schließlich fange ich bei der Tour Down Under mit der Saison an - das heißt, es sind noch drei Wochen und dann steht das erste ProTour-Rennen vor der Tür. Da kann man natürlich nicht völlig unvorbereitet am Start stehen.
Und dann warten im März auch schon Paris-Nizza und das Criterium International, wo Sie wieder vorn mitfahren wollen. Ist Nizza nur dazu da, sich die nötige Rennhärte zu holen, oder schielen Sie da nach zwei vierten und einem sechsten Rang auf das Podium?
Voigt: Das ist schon ein Rennen, das mir liegt. Aber wir werden dort dieses Jahr eine sehr gute Mannschaft am Start haben. Juan Jose Haedo für die Sprints und einen der Schleck-Brüder. Letztes Jahr war Fränk ja Zweiter, ich war Sechster. Natürlich peilen wir ein ähnliches Ergebnis wieder an.
Nach dem schlimmen Sturz bei der Tour hätten sicher viele Kollegen in Ihrem Alter gesagt: So, das war's, jetzt hör' ich auf! Sie nicht. Welche sportlichen Ziele gibt es denn noch?
Voigt: Man muss ja ein bisschen realistisch sein. Die Tour werde ich wahrscheinlich nicht mehr gewinnen können. Das habe ich mit 38 Jahren inzwischen erkannt und begriffen. Aber es ist auch ein tolles Ziel, nur Teil dieser Maschinerie, Teil dieses Uhrwerks zu sein, das perfekt funktionieren muss, um einem der Schleck-Brüder zum Tour-Sieg zu verhelfen. Außerdem, ganz ehrlich: Ich fühle mich noch nicht so, als ob ich alles aus mir rausgequetscht habe. Dass man mit einem Seufzer der Erleichterung sagen kann: So, das war's. Jetzt möchte ich meine Ruhe haben - soweit bin ich noch nicht, und ich möchte auf keinen Fall ein verbitterter alter Mann werden, der dann herumnölt: Wäre ich doch noch ein halbes Jahr mehr gefahren. Es muss nicht mit einem Sieg zu Ende gehen, aber ich will selbst entscheiden, wann es soweit ist, und nicht vom Schicksal gezwungen werden.
Das klingt so, als ob ein Rücktritt vom Rücktritt für Sie nicht in Frage käme - so ein Comeback wie von Lance Armstrong oder Michael Schumacher in der Formel 1.
Voigt: Man hört natürlich viele so reden, aber wenn ich aufhöre, dann wird auch erstmal ein, zwei Jahre keine Lizenz mehr gelöst. Dann fahre ich aus Spaß noch mit den Jungs zur Eisdiele im Sommer oder zum Kindergarten. Aber auf keinen Fall leistungsmäßig oder gleich nahtlos nach St. Johann zur Senioren-WM. Allerdings ist es anscheinend so, dass der Sport eine Art Virus ist. Wenn man sich den einmal eingefangen hat, hat man ihn auf Lebenszeit - es gibt ja einige Beispiele.
Also ausschließen kann man ein Comeback vorher nie?
Voigt: Aber ich bin mir sehr sicher, ich schließe es aus. Ja, ich schließe es aus.
Sie haben es schon gesagt: Ein großes Ziel ist es, als Teamkollege der Schlecks nochmal die Tour zu gewinnen. Einer der größten Konkurrenten wird voraussichtlich Lance Armstrong sein. Trauen Sie ihm zu, die Tour noch einmal zu gewinnen? Immerhin ist er nur einen Tag jünger als sie selbst.
Voigt: Ja, der freut sich immer, wenn ich im Rennen bin. Dann kommt er rübergefahren und sagt: 'Ey Jens, du bist bei mir. Ich bin in Sicherheit, ich bin nicht der Älteste.' Bjarne (Riis, Voigts Teamchef - Anm. d. Red.) ist zwar nicht so optimistisch, aber ich glaube, er kann das schaffen. Es hat ja schon dieses Jahr nicht viel gefehlt, und nächstes Mal wird er eine ganze Saison in den Beinen haben, auf die er zurückgreifen kann. Ich würde eher auf ihn tippen, als zum Beispiel auf Carlos Sastre oder Cadel Evans. Ich denke, das Podium wird ganz ähnlich aussehen wie dieses Jahr: einer der beiden Schlecks, Contador und Lance.
Neben Armstrong sind auch Ivan Basso und Alexander Winokurow zurück im Peloton. Ist da kein fader Beigeschmack dabei?
Voigt: Das ist eine sehr schwierige Geschichte. Ivan war ein Teamkamerad von mir und ich habe ihn kennengelernt. Er ist der netteste, freundlichste, loyalste Mensch, den man sich vorstellen kann. Von daher kann ich ihn nicht verdammen. Er hat seinen Preis bezahlt, er hat ausgepackt, er hat seine Strafe abgesessen. Darum muss man ihm noch eine Chance geben, und ich bin auch sicher, dass er diese Lektion gelernt hat.
Und Winokurow?
Voigt: Wino hat natürlich bei der Tour einen riesigen Skandal ausgelöst. Aber auch er hat seine Strafe abgesessen, und jetzt ist er wieder da. Das ist halt einfach so. Man muss den Jungs eine Chance geben.
Können Sie sich vorstellen, nach dem Karriereende wie Ihr Freund Bobby Julich, der jetzt bei der Saxo-Bank-Teamleitung engagiert ist, im Radsport weiter zu arbeiten?
Voigt: Ja, sicherlich. Lassen Sie uns ehrlich sein: Raketeningenieur oder Atomphysiker werde ich nicht mehr. Wer ernährt die Familie, wenn ich vier Jahre studiere? Das geht natürlich nicht.
Aber an der Seite von Bobby zu arbeiten...
Voigt: Wäre toll! Er ist einer meiner ältesten Freunde im Peloton. Wir fragen Bjarne selbst heute noch manchmal im Trainingslager: 'Dürfen wir auf die alten Zeiten nochmal zusammen aufs Zimmer gehen?' Dann kommt immer: 'Nee, du bist Rennfahrer, du gehst mit einem Fahrer aufs Zimmer!' Aber wir lassen nicht locker.
Kommentare 1 - 20 of 20
Wer sich mit Gesindel umgibt und dessen Loyalität lobt, macht sich halt verdächtig. Verdacht ist aber noch kein Beweis!
DanielG
Es geht immer nur um die, die erwischt wurden. Das gilt für Ladendiebstähle und Falschparker wie für Brandstifter und Mörder. Es gilt auch für Doper. Es ist unsinnig und unfair den nicht Erwischten Doping zu unterstellen - es sei denn, die Sachlage wäre eindeutig und nur Formalien verhindern eine Sperre (wie bei Klöden!).
Huch, der mit den dreckigen Sprüchen ist ja plötzlich weg. Ja, benehmen sollte man sich hier schon.
ein tolles interview
danke Eurosport
ruopph, wer soll das sein ? Hier laufen so viele frei rum.
An Freibier für Alle!
Mit dem Text verstehen hast du Wohl deine Probleme!
Diese Behauptung hat "Onkel Dagobert" aufgestellt!
Und was Texr verständniss betrifft da stehe ich mit Sicherheit weit über dir!
Aber was will man von euch "Möchtegern-Dopingjäger" auch anderes erwarten?
Intelligenz Fehlanzeige! Juristische Grundkenntnisse Fehlanzeige!
Aber die Intelligenz braucht solchen Pöpel wie ihr! Damit sie etwas zum Lachen hat.
An Bad!
Ach, bei diesen "Möchtegern Dopingjäger" hier im Forum redest du an die Wand!
Die sind durch hier Scheuklappen-Denken blind geworden.Und jeder der nicht ihrer Meinung ist der ist Endweder ein Dopingverherrlicher oder Dumm in ihren Augen!
Man kennt das ja aus der Deutschen Geschichte zugenüge. Haben doch die Nationalsozialisten doch einst den Satz geprägt:"Wer nicht Für uns ist.Der ist Gegen uns!Und das diese "Möchtgern Dopingjäger" keine Ahnung von Jura haben.Das braucht man schon nicht mehr Erwähnen!Bei einem Jurastudium würden diese Damen und Herren"Möchtgern Dopingjäger" schon im Ersten Semester durchfallen!
An Onkel Dagobert!
Vielleicht habe ich in meinem Gehirnkasten mehr Verstand!
Als du es dir mit deiner nicht vorhanden Intelligenz dir Überhaupt vorstellen kannst!
Das es dir an Intelligenz mangelt merkt man schon an deinen Kommentaren!In denen du Behauptungen Aufstellst die nicht der Wahrheit endsprechen. Und damit es endlich Kapierst:JENS VOIGT WURDE IN SEINER RENNRAD LAUFFBAHN NIE WEGEN DOPINGS GESPERRT!
Genau !
So als Absacker, als Schmanckerl, ist Bad auch nicht schlecht, aber leider hat er die Nummer 13 und da ist ja alles klar, posting ist nur Müll ! Den Fahrer mit dem Bad ausschütten, schon komisch !? Manche sind eben beim Schreiben gedopt.
Es stimmt, dass sie ihre Strafe abgesessen haben, ABER man darf nicht vergessen, dass sie nur deshalb abgessessen haben, weil sie erwischt wurden. Fahrer werden nicht bestraft, weil sie dopen, sondern weil sie dabei erwischt werden, egal ob sie nachher Reue ausdrücken und sich entschuldingen.
Die, die ihre Strafe abgesessen haben, haben Ihre Schuld an die anderen Fahrer, die nie gedopt haben, nicht bezahlt (all die Siege, die sie von den anderen gestohlen haben, ehe sie erwischt wurden)!
Jeder WIRKLICH "clean" Profi, sollte es wissen und laut sagen!
Vorsicht, es heisst nicht, dass ich denke, dass Voigt "unclean" ist. Es is ein genereller Gedanke.
Danke an allen, die meine Aussage lesen, ich bin ein Franzoser, der in .. Beijing wohnt. Es freuet mich, dass es auf dieser Webseite keine nationalistiche Untertöne gibt, wie zum Beispiel auf Yahoo-Espana. Wir lieben alle den Radsport, egal woher wir stammen. Wenn irgend jemand Interesse an Radfahren in China hat .. ich kenne mich jetzt aus! Fröhliches NeuJahr! Daniel
Ruopph, Du Online-Psychopath. Hat der Dagobert ja auch gar nicht behauptet. Ich finde es auch etwas befremdlich, dass jemand gerne mit überführten Dopern zusammen fährt und sie als loyal bezeichnet. Worin bestand denn die Loyalität. Bestimmt doch nicht im einhalten der Teamorder. Ich finde, das Interview wirft kein gutes Licht auf Voigt. Ob der sich was reinschmeißt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
An Onkel Dagobert!
Voigt wurde niemals wegen Dopings gesperrt!
An deiner Stelle würde ich mich einmal besser Informieren.
Anstatt hier deinen gewohnten Schwachsinn im Forum abzulassen.
Ob der Jens weiß wie warm es auf so einem Scheiterhaufen ist ? Also plus der Klimaerwärmung.
..."Alle Doper auf den Scheiterhaufen",Originalton Jens Voigt.
Hallo Sportfreak 2009,
dsa sind genau meine Worte.
"ALLE DOPER SOLLTE MAN AUF DEN SCHEITERHAUFEN WERFEN", Originalton Jens Voigt !!!!
An seiner Stelle wäre ich vorsichtig mit solchen Äußerungen.
Jens Voigt ist immernoch der glaubwürdigste Fahrer im Peloton. Und Respekt verdient hat er auf jedenfall, nach diesem Sturz nochmal in den Sattel zu steigen!
Und warum sagt er nicht das da "vorn" alles gedopt ist und schmeißt das Rad in den Strassengraben ? Na, warum wohl ? Ist garnicht so schwer wenn man darüber etwas nachdenkt. Es gibt keine andere Antwort ! ( So ein Gutmensch und über den Dingen stehend ist keiner ) Jens Voigt ist übrigens ein sehr guter Fahrer ! Guten Rutsch allen !
Die Tour gewinnt durch Jens Voigt.
Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nicht so oft die Kiste einschalten.
Das hat nichts damit zu tun dass er ein Deutscher ist
Der Mann hat einfach Teamgeist, kann sich auf Soloritten quälen und gibt immer alles was er hat.
Außerdem ist er der glaubwürdigste wenn es um Doping geht.
Viel Erfolg 2010, ich freue mich auf ihn
Voigt ist nicht ohne Grund der Fahrer, dem ich am meisten Gönne und für den ich am meisten zitter....
Bitte melden Sie sich an.
Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos Registrieren.