Die vergessene Königin: «Irina allein in New York»

Mo 02.Nov. 10:40:02 2009

New York (dpa) - New York feierte seine Sieger, doch die «Königin» war nur eine Randnotiz. Während rund eine Million Menschen und die US-Medien den Sensationssieg ihres Landsmannes Meb Keflezighi beim 40. New-York-Marathon bejubelten, stand Irina Mikitenko einsam im Schatten der Ehrentribüne.

«Die World Marathon Majors zählen heute nicht. Die Veranstalter haben Angst, dass sie ansonsten an Aufmerksamkeit verlieren», sagte Mikitenko im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Wie im Vorjahr hatte die 37-Jährige vom TV Wattenscheid die Laufserie der fünf weltweit bedeutendsten Marathonläufe gewonnen. Durch den Siegerscheck in Höhe von 500 000 Dollar ist sie ab sofort Marathon-Millionärin - doch davon bekam in New York niemand etwas mit. Registriert wurde dagegen schon, dass Amerikas Ausdauer-Spezialisten mit sechs Top-Ten-Platzierungen bei den Herren einen Quanten-Sprung wie seit 30 Jahren nicht mehr erlebten.

Auf die Frage, ob die Gesamtsieger Mikitenko und der Kenianer Sammy Wanjiru ebenso zur Presse-Konferenz kommen wie die drei Top- Platzierten des Tages, gab es selbst im Medienzentrum nur fragende Blicke und zuckende Schultern. Erst einen Tag später sollten die beiden besten Marathon-Läufer der Jahre 2008 und 2009 in «Big Apple» ihre Bühne bekommen und später auch die «Königin» gekrönt werden. Mikitenko lief in den vergangenen beiden Jahren vier Marathons, gewann drei und wurde einmal Zweite.

Sie selbst stört das Schattendasein nicht. Die bescheidene und fast schon schüchterne Deutsche nutzte Zeit und Zuschauerrolle, um sich auf einen möglichen Start im kommenden Jahr beim größten Marathon der Welt vorzubereiten. Während des Rennens saß sie im Führungsfahrzeug, fuhr die komplette Strecke vor dem Frauenfeld her und sammelte wichtige Eindrücke. «Es ist eine harte und schwere Strecke, aber der New York Marathon ist ja bekanntlich etwas Besonderes. Die ersten 13 Kilometer sind ziemlich schwer. Da ist das Profil wellig, und es gibt kaum Publikum. Aber an den neuralgischen Punkten, an denen nachher die Kraft ausgeht, da stehen die Zuschauer, da ist richtig was los», meinte Mikitenko.

Wenn sie zurück nach Deutschland fliegt, steigt sie nach dreiwöchiger Pause wieder ins Training ein. Und dann will sie sich zusammen mit Ehemann und Trainer Alexander auch überlegen, wann und wo sie 2010 startet. «Ich werde maximal zwei Marathons laufen, und ich werde auf die Europameisterschaft in Barcelona verzichten», kündigte sie bereits an. Sie hoffe, meinte Mikitenko, dass sie noch einige Jahre Top-Leistungen bringen kann.

Am Alter sollte es nicht liegen. New-York-Siegerin Derartu Tulu aus Äthiopien ist mit 37 Jahren genauso alt wie sie, die zweitplatzierte Russin Ludmila Petrowa sogar noch vier Jahre älter. «Es hat sich wieder gezeigt, dass Marathon vor allem etwas für erfahrene Läuferinnen ist», sagte Irina Mikitenko.

 

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