Noch keine Trendwende beim VfL Bochum

Mo 02.Nov. 12:16:35 2009

Frankfurt/Main (dpa) - Ernüchterung statt Trendwende: Nach seinem missglückten Trainer-Einstand in der Fußball-Bundesliga stand Heiko Herrlich die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Der schwache Auftritt des VfL Bochum bei der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt führte dem neuen Hoffnungsträger schonungslos vor Augen, dass der Klassenverbleib des Revierclubs momentan einer «Mission impossible» gleichkommt. Mit verkniffener Miene mühte sich der frühere Torjäger, zumindest verbal Aufbruchstimmung zu verbreiten. «Wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten. Die Saison ist noch nicht zu Ende. Ich bin sicher, dass unsere Arbeit mittelfristig Früchte tragen wird», sagte Herrlich.

Getreu dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein» will der 37- Jährige die völlig verunsicherten Bochumer wieder auf Kurs bringen. Herrlich: «Es ist doch klar, dass du nicht selbstbewusst spielst, wenn du Vorletzter bist. Wir stecken im Abstiegskampf. Wir müssen vor allem die Ballsicherheit erhöhen und die einfachen Dinge gut machen.»

Wie dem Coach schwant allerdings auch Sportvorstand Thomas Ernst, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen wird. «Es wird eine Weile brauchen, seine Ideen umzusetzen. In unserem Spiel ist zu viel Unruhe. Von den Spielern muss man mehr verlangen. Sie haben kaum Akzente gesetzt. Ich bin enttäuscht, wie das Spiel gelaufen ist», kritisierte Ernst die Leistung der Bochumer in Frankfurt.

Die Gäste erarbeiteten sich in 90 Minuten keine einzige Chance und kamen nur dank eines Eigentores von Maik Franz (25.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Der Frankfurter Abwehrspieler traf nach der Pause (53.) dann noch ins richtige Netz, zuvor hatte Caio (14.) mit einem Freistoß aus 30 Metern das 1:0 erzielt. «Da stand ich nicht gut», räumte VfL-Keeper Philipp Heerwagen ein. Wie seine Mitspieler setzt er große Hoffnungen in Herrlich. «Die Ideen, die er hat, sind gut. Deshalb hoffe ich, dass sich das bezahlt macht.»

Immerhin erkannte der neue Trainer einige gute Ansätze. «Vom Engagement kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat Einsatz und Biss gezeigt», meinte Herrlich. Der Japaner Shinji Ono übertrieb beides jedoch und flog nach zwei Fouls innerhalb von 60 Sekunden mit Gelb-Rot vom Platz. «Das ist bitter, weil er ein wichtiger Spieler für uns ist», sagte Herrlich.

Der ehemalige U 19-Trainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) kämpft in Bochum nicht nur um den Klassenverbleib, sondern auch gegen das Verlierer-Image berühmter Vorgänger an. Denn die Liste der Fußball-Lehrer, die vom DFB in die Bundesliga wechselten und dort scheiterten, ist lang. Jürgen Klinsmann, Berti Vogts, Jürgen Kohler, Erich Rutemöller oder Dieter Eilts schafften den Umstieg nicht.

Herrlich will sich von dieser Statistik jedoch nicht schrecken lassen. «Ich kann nicht beurteilen, warum sie den Sprung vom Verband in die Liga nicht geschafft haben. Ich bin froh, dass der VfL den Mut bewiesen hat, mir diese Chance zu geben», sagte er. Naiv geht er die neue Herausforderung aber nicht an: «Ich weiß, dass ich ab jetzt an Punkten gemessen werde.»

 

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