Diskus-Star Liesel Westermann: Zäsur zum 65.

Mo 02.Nov. 10:03:26 2009

Frankfurt/Main (dpa) - Ihr Sportlerleben hat Liesel Westerman- Krieg mit Glanz und Gloria bewältigt, beruflich hat sie als Oberstudienrätin und später als Ministerialrätin im niedersächsischen Kultusministerium ihre Erfüllung gefunden.

«Ich muss sehen, dass ich mich langsam daraus verabschiede. Ich habe das hinter mir gelassen und hoffe, dass die Projekte weiterleben», sagt die frühere Diskus- Weltrekordlerin in einem dpa-Gespräch. Am 2. November feiert die «Sportlerin des Jahres» von 1967 und '69 in Solingen ihren 65. Geburtstag - mit einer Zäsur: Von sofort an ist die umtriebige «Diskus-Liesel», wie sie früher genannt wurde, Rentnerin.

Ihre vier Kinder haben ihren akademischen Abschluss und sind aus dem Haus. Lieselotte «Liesel» Westermann-Krieg hat das Golfspielen angefangen. «Ich will in Bewegung bleiben und mit netten Leuten zusammen sein.» Mit den früheren Kolleginnen aus der Nationalmannschaft trifft sie sich noch einmal im Jahr, bei der Leichtathletik-WM in Berlin war sie als Zuschauerin dabei.

Liesel Westermann war die erste Frau, die die Diskusscheibe über 60 Meter weit warf: Zum ersten Mal 1967 in Santiago de Chile mit 60,09, aber: «Vor lauter Freude über den geglückten Weltrekord trat ich über.» In São Paulo war die Bestmarke dann am 5. November 1967 fällig: 61,26. Insgesamt viermal verbesserte sie den Weltrekord, zuletzt 1969, als sie zur «Welt-Leichtathletin des Jahres» gekürt wurde, auf 63,96.

Gold bei internationalen Meisterschaften blieb der Frau mit der blitzschnellen Drehung jedoch versagt: Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt musste sich Liesel Westermann mit 57,76 Metern der Rumänin Lia Manoliu (58,28) geschlagen geben. Zweimal war die Athletin von Bayer Leverkusen, die von Erfolgscoach Gerd Osenberg trainiert wurde, jedoch Europameisterin, zehnmal deutsche Titelgewinnerin. Für die Tageszeitung «taz» war Liesel Westermann «die letzte ungedopte Diskus-Weltrekordlerin». «Der Osten, und nicht nur der», sagte sie einmal, habe «hormonell zurückgeschlagen». Auch die politischen Ereignisse gingen nicht spurlos an ihr vorüber: Als Fünfte beendete sie die Spiele von München 1972 - «bei mir war die Spannung durch das Attentat weg». Später setzte sie sich als Mitglied der gemeinsamen Anti-Doping-Kommission des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) und des Deutschen Sportbundes (DSB) für den sauberen Sport ein.

Beim Versuch für die FDP in den Bundestag einziehen, scheiterte Liesel Westermann-Krieg 1994. Unermüdlich engagierte sie sich im Kultusministerium in Hannover für Schul- und Gesundheitssport. «Lernen braucht Bewegung» war ihr Motto bei Projekten wie «Der bewegte Kindergarten», die «Fitnesslandkarte» und «muuvit». «Ich war da mit Leib und Seele dabei», sagt sie etwas wehmütig.

 

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