München (dpa) - Zwei Wochen nach den bösen Enttäuschungen ist für die deutschen Champions-League-Vertreter die Zeit zur Abrechnung gekommen, und das gleich in doppelter Hinsicht.
Noch mit den Erfahrungen der desolaten Leistung bei Girondins Bordeaux im Kopf, ist Bayern München im Heimspiel gegen den französischen Fußball-Meister zum Siegen verdammt, um sich reale Chancen auf das Achtelfinale zu bewahren. Der VfL Wolfsburg reist zur selben Zeit mit gehörig Wut im Bauch in die Türkei, das torlose wie überflüssige Remis aus dem Hinspiel schmerzt nach wie vor. In der «Hölle von Istanbul» werden vor allem Nerven wie Drahtseile benötigt.
Trotz großer Personalprobleme sieht Bayern-Trainer Louis van Gaal seine Elf zum Erfolg verdammt - und redete Klartext. «Wir wollen weiterkommen, also müssen wir gewinnen», sagte der Niederländer. Und das ohne die verletzten Franck Ribéry und Ivica Olic sowie die gesperrten Daniel van Buyten und Thomas Müller. Auch der nach seiner Knieoperation noch nicht richtig fitte Arjen Robben komme nicht für die Startelf infrage, meinte van Gaal. «Aber er hat als Joker immer Tore gemacht, das ist auch wichtig», sagte der Coach.
Wie ernst die Lage ist, bewies Mark van Bommel: Der Kapitän warb sogar öffentlich um die Unterstützung der 66 000 Zuschauer. «Das Publikum kann uns auch helfen.» Torwart Jörg Butt betonte: «Wir wissen, worauf es ankommt. Wir müssen die beiden Heimspiele gegen Bordeaux und Haifa gewinnen.» Erst einmal bei den vorangegangenen zwölf Teilnahmen an der Königsklasse schieden die Bayern in der Vorrunde aus - 2002 als blamabler Gruppenletzter.
Da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, ist nach dem 1:2 vor zwei Wochen ein Sieg im Rückspiel praktisch Pflicht. «Ich bin sehr froh, dass wir unsere Chancen noch in der eigenen Hand haben», sagte van Gaal. Mit 4 Zählern sind die Bayern in Gruppe A nur Dritte hinter Girondins (7) und Juventus Turin (5). Zudem muss der Rekordmeister noch auswärts bei den Italienern antreten. «Wenn wir gewinnen, ist es normal. Ein Unentschieden ist eine Katastrophe - und wenn wir verlieren, geht die Welt fast unter», sagte van Bommel.
Mit Pfiffen der eigenen Fans in den Ohren haben sich die «Wölfe» derweil auf nach Istanbul gemacht. Das Team schwächelt, hat eine der wackeligsten Abwehrreihen der Bundesliga und mangels Konstanz nun auch einen Trainer, dem der Wind ordentlich entgegen bläst. Damit der Wind für Armin Veh nicht Sturm wird, sollte nach der enttäuschenden Nullnummer im Hinspiel auswärts schon etwas Zählbares her. Vehs parat gelegtes Erfolgsrezept: eine abwartende Marschroute. In Istanbul soll sein Team «aus einer geordneten Defensive» nach vorne spielen lassen.
Der türkische Meister steht als Letzter der Vorrunden-Gruppe B unter Druck und besitzt nur bei einem Sieg noch realistische Chancen auf das Achtelfinale, während Wolfsburg (4 Zähler) fast im Soll liegt. «Das heißt für uns, dass wir dort auf Konter lauern können», sagte Veh. Positiv für den umstrittenen Coach ist, dass er erneute «Trainer-raus»-Rufe der Wolfsburger Fans im Istanbuler Inönü-Stadion kaum hören dürfte: Die Arena gilt als eine der lautesten der Welt, mehr als 130 Dezibel sollen dort bereits gemessen worden sein.
«Hölle trifft es wohl ganz gut», sagte VfL-Nationalspieler Marcel Schäfer - für Torwart Diego Benaglio gar ein zusätzlicher Ansporn: «Mir gefallen solche Spiele, wir dürfen nur nicht zu viel Respekt haben.» Verzichten muss der VfL auf die Offensivkräfte Grafite (gesperrt) und Thomas Kahlenberg (nicht spielberechtigt).


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