EM 2008 - Oranje: Pragmatisch, praktisch - gut

Eurosport - Mo 02.Jun. 15:23:00 2008

Die Niederlande reisen mal wieder mit zahlreichen Top-Stars im Gepäck zu einem großen Turnier. Wertvollstes Stück: Rafael van der Vaart, der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Elftal. Auch in Sturm und Abwehr verfügt das Team über europäisches Spitzenpersonal. Reicht es diesmal für den großen Wurf?

FOOTBALL 2008 Euro 2008 Netherlands - 0

Der Trainer:

Holland und seine Coaches - seit Jahren sucht das fußballverrückte Land nach einem Chef-Übungsleiter, der den niederländischen Traum von der eierlegenden Wollmilchsau realisiert: Höchste Spielkunst bei gleichzeitig maximalem Erfolg. Der Verschleiß ist dabei immens: Selbst Trainer-Füchse wie Louis van Gaal (2000 bis 2001) und Dick Advocaat (2002 bis 2004) scheiterten an der Herkules-Aufgabe. Auch für Marco van Basten bedeutet das Amt des Nationaltrainers mehr Frust als Lust.

Nach der verpatzten WM 2006 mit dem Achtelfinal-Aus gegen Portugal (0:1) ging es mit dem Ansehen des ehemaligen Weltklasse-Stürmers stetig bergab. Als Spieler noch unumstritten, rückte sowohl der Führungstil als auch die Spielphilosophie von Trainer van Basten immer mehr in den Fokus der Kritik. Streitereien mit Akteuren wie Mark van Bommel und Ruud van Nistelrooy sowie die EM-Ausbootung von Routinier Clarence Seedorf zerrütteten das Verhältnis zwischen Bondscoach und Fans weiter. Auch die Medien sind dem eigenwilligen 43-Jährigen nicht wohl gesonnen. Die Generalkritik an van Basten: Der Coach lasse zu vorsichtig und ergebnisorientiert spielen. Fußball-Magerkost statt Spektakel: Das kommt im Land der Filigrantechniker und Ballzauberer gar nicht gut an.

"Es geht nicht um den besten Fußballer, sondern um das beste Team", wird van Basten nicht müde zu wiederholen. Sein Credo stößt aber auch im Verband auf taube Ohren. Van Basten zog die Konsequenz: Nach der EURO 2008 räumt der Weltfußballer des Jahres 1992 den Posten als Nationaltrainer der Elftal und kehrt an alte Wirkungsstätte zurück: Als Trainer von Ajax Amsterdam. Ab dem 1. Juli 2008 versucht der Ex-Dortmunder Bert van Marwijk sein Glück...

Das Team:

So viele Stars, so wenige Titel: Die bis heute andauernde Leidensgeschichte holländischer Fußball-Fans hat ihren Ursprung im verpassten WM-Titel 1974, als die vermeintlich beste niederländische Mannschaft aller Zeiten Deutschland 1:2 unterlag. Danach durfte die Elftal nur einmal bei einem großen Turnier jubeln: 1988 holten der jetzige Bondscoach Marco van Basten, Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Co. den EM-Titel. Danach stehen bei Europameisterschaften drei Halbfinal-Teilnahmen (1992, 2000 und 2004) zu Buche sowie einmal das Viertelfinale (1996).

Anno 2008 ist die Elftal erneut mit Spitzenspielern gespickt. Im Mittelfeld zieht van der Vaart die Fäden. Zusammen mit Wesley Snijder von Real Madrid bildet er das kreative Herzstück von Oranje und die Schaltzentrale für den Offensiv-Wirbel. Als Schnittstelle zum Angriff fungiert Arsenal-Star Robin van Persie. Im Sturm hat Coach van Basten ohnehin die Qual der Wahl: Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), Ruud van Nistelrooy (Real Madrid), Dirk Kuyt (FC Liverpool), Arjen Robben (Real Madrid), Jan Vennegoor of Hesselink (Celtic Glasgow): Egal, welchen Angreifer der Bondscoach bringt, es handelt sich dabei immer um einen Spieler eines europäischen Top-Klubs.

Aber auch in der Defensive genügt der Kader höchsten Ansprüchen. Die starke Abwehr, die in der Qualifikation nur fünf Gegentore zuließ, wird vom Hamburger Joris Mathijsen und Torhüter Edwin van der Sar organisiert. Mathijsen ist der unumstrittene Chef in der Viererkette, die der Kreativ-Abteilung die nötige Sicherheit geben soll. Um die drei restlichen Plätze streiten sich John Heitinga, Andre Ooijer, Mario Melchiot, Wilfred Bouma, Tim de Cler, Giovanni van Bronckhorst und der für den verletzten Ryan Babel nachnominierte Khalid Boulahrouz.

Taktik:

4-3-3 war einmal - der Pragmatiker van Basten brach mit der Tradition bisheriger Oranje-Coaches und setzt auf ein auf mehr Kontrolle ausgelegtes 4-4-2-System, das bei Bedarf in ein 4-2-3-1 aufgelöst werden kann. Das Ergebnis: Befriedigende Resultate, unbefriedigende Auftritte - zumindest aus Sicht der Elftal-Fans sowie Chefkritiker und Oranje-Legende Johan Cruyff, dem ewigen Bewahrer des offensiven Systems mit zwei Flügelstürmern. Das auf Effektivität getrimmte Spiel der Niederländer ist ganz klar einem Ziel geschuldet - der EM-Titel 2008.

Bundesliga-Legionäre:3

Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Joris Mathijsen (alle Hamburger SV).

EM-Teilnahmen: 8

1976 (Jugoslawien) 3. Platz

1980 (Italien) Vorrunde

1988 (Bundesrepublik Deutschland) Europameister

1992 (Schweden) Halbfinale

1996 (England) Viertelfinale

2000 (Belgien/Niederlande) Halbfinale

2004 (Portugal) Halbfinale

2008 (Österreich/Schweiz)

Bilanz gegen Deutschland:

37 Spiele, zehn Siege, dreizehn Niederlagen, 14 Unentschieden, 63:72 Tore.

Vorrundengegner Gruppe C:

Italien (9. Juni, 20:45 Uhr), Frankreich (13. Juni, 20:45 Uhr), Rumänien (17. Juni, 20:45 Uhr).

eurosport.yahoo.de-EM-Tipp: Viertelfinale

Holland kann aufatmen: Bei der EURO 2008 kommt Oranje in der "Todesgruppe" C mit dem Leben davon und zieht ins Viertelfinale ein. Das Team von van Basten ist nicht mehr so verspielt, dafür aber effektiv: Vorbei sind die Zeiten, als die niederländischen Ballzauberer in Schönheit untergingen. Die Elftal 2008 ist besser organisiert und kann einen Vorsprung auch mal über die Zeit bringen - dem Defensiv-Verbund um Mathijsen sei dank.

Der Angriff ist so stark besetzt wie eh und jeh. Van Nistelrooy, Huntelaar und Co. sind in der Lage, auch aus weniger guten Chancen das vielleicht entscheidende Tor zu machen. Für die Niederländer spricht außerdem, dass viele Experten Frankreich und Weltmeister Italien bereits jetzt im Viertelfinale sehen - Vorteil Niederlande. In der Runde der letzten acht könnte Oranje allerdings Spanien erwarten...

EM-Kader:

Tor: Edwin van der Sar (Manchester United), Henk Timmer (Feyenoord Rotterdam), Maarten Stekelenburg (Ajax Amsterdam)

Abwehr: André Ooijer (Blackburn Rovers), John Heitinga (Ajax Amsterdam), Joris Mathijsen (Hamburger SV), Mario Melchiot (Wigan Athletic), Wilfried Bouma (Aston Villa), Tim de Cler (Feyenoord Rotterdam), Khalid Boulahrouz (FC Chelsea)

Mittelfeld: Giovanni van Bronckhorst (Feyenoord Rotterdam), Demy de Zeeuw (AZ Alkmaar), Orlando Engelaar (Twente Enschede), Wesley Sneijder (Real Madrid), Nigel de Jong (Hamburger SV), Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven), Rafael van der Vaart (Hamburger SV)

Sturm: Robin van Persie (FC Arsenal), Ruud van Nistelrooy (Real Madrid), Arjen Robben (Real Madrid), Dirk Kuyt (FC Liverpool), Klaas-Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam), Jan Vennegoor of Hesselink (Celtic Glasgow)

Stefan Zürn / Eurosport

Kommentare 1 - 4 of 4

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  1. das ist niederlande nicht holland ihr bierkoepfe!
    holland ist nur eine provinz niederlandes

    Von manduking96, am Di 3.Jun. 18:08
  2. holland ist diesmal für uns mittel zum zweg die hauen italien raus und fliegen dann selber die käsköpfe

    Von Schnin, am Di 3.Jun. 14:17
  3. das sie nen favoriten nach hause schicken glaube ich, ich denk mal sogar zwei, die sind im moment echt stark, und bleibens auch, nicht wie leverkusen

    Von guidojanssen, am Di 3.Jun. 8:46
  4. leider wird es oranje bei der em08 so ergehen wie leverkusen in der bundesliga. ein gutes hat es aber. holland wird die vorrunde überstehen und einen topfavoriten nach hause schicken.

    Von Silvio B, am Di 3.Jun. 2:02
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