Eurosport - So 02.Mrz. 17:31:00 2008
Mit einem Sensationssieg ging das Weltcup-Wochenende im norwegischen Kvitfjell zu Ende: Der Österreicher Georg Streitberger zeigte im Super-G vom Start bis ins Ziel einen fantastischen Lauf und verwies US-Star Bode Miller (+0,20 Sekunden) sowie den Schweizer Didier Cuche (+0,32 s) auf die Plätze.
Streitberger nahm das Rennen als Achter in der ersten Startgruppe auf. Nach gutem Start brillierte der 26-Jährige im Mittelteil, wo er seinen Vorsprung auf den bis dato führenden Kanadier Robbie Dixon auf sechs Zehntel-Sekunden ausbaute. Zwar verlor der Maishofener durch einen Skifehler nach der zweiten Zwischenzeit und Unsicherheiten in der Traverse etwas Zeit, doch ein überragendes Finish sicherte Streitberger den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere.
Miller, der am Vortag den Abfahrtslauf gewonnen hatte, stellte seine Topform auch im Super-G unter Beweis. Nachdem der Weltcup-Gesamtführende in den oberen Abschnitten nur knapp zurücklag, führte er bei der letzten Zwischenzeit sogar. Im Schlussteil geriet der Allrounder aber zu sehr in Rücklage und wäre fast gestürzt - das kostete Miller die entscheidenden zwei Zehntel und den Sieg. Rückblickend auf das Wochenende erklärte der Alpin-Star: "Die Ergebnisse hätten auch schlechter ausfallen können, aber ich war konstant und mein Ski lief gut", so der 30-Jährige.
Cuche verpasste ebenfalls Platz eins - und trotzdem dürfte der Führende im Disziplin-Weltcup mit Rang drei zufrieden sein. Der Routinier zeigte im oberen Bereich eine gute Fahrt und lag in Führung. Nach einem Innenskifehler fiel der 33-Jährige zwar zurück, doch mit einer aggressiven Linie in den unteren Abschnitten kämpfte sich der Schweizer doch noch aufs Podium.
Cuche greift nach kleiner Kristallkugel
Viel wichtiger für Cuche war aber die Tatsache, dass seine härtesten Konkurrenten im Kampf um die kleine Kristallkugel allesamt patzten. Das ÖSV-Trio um Christoph Gruber (10./+0,58), Hannes Reichelt (15./+0,87) und Benjamin Raich (16./+0,90) - im Super-G-Weltcup auf den Plätzen zwei bis vier notiert - kam mit der Strecke überhaupt nicht zurecht und verlor wichtige Punkte auf Cuche.
Der Schweizer hat nun 360 Punkte auf dem Konto und einzig Gruber, der bei 271 Zählern liegt, kann im Rennen um den Titel noch eingreifen. Ähnlich eindeutig ist die Situation im Gesamt-Weltcup. Spitzenreiter Miller kommt nach seinem zweiten Platz auf 1363 Punkte und hat damit 185 Zähler mehr als Verfolger Cuche. "Ich habe Druck gemacht aber mir unterliefen bei allen drei Rennen Fehler. Miller ist momentan sehr selbstbewusst und macht keine Fehler - das ist der Schlüssel zum Erfolg", analysierte der Schweizer.
Nichts zu ernten gab es im Super-G von Kvitfjell für die beiden deutschen Starter. Während Peter Strodl das Rennen mit 3,06 Sekunden Rückstand auf Platz 45 beendete, schied Johannes Stehle aus.
Schwerer Sturz überschattet Super-G
Überschattet wurde das Rennen allerdings von einem schweren Sturz. Matthias Lanzinger traf beim letzten Sprung die Richtung nicht exakt und krachte in ein Tor. Nach der Erstversorgung vor Ort wurde der Österreicher mit dem Akja ins Ziel transportiert und per Helikopter ins Krankenhaus gebracht.
Neben einem offenen Bruch des Schien- und Wadenbeins im linken Bein zog sich der 27-Jährige Abschürfungen im Gesicht zu. Außerdem besteht der Verdacht auf Gefäßverletzungen. "Matthias war aber immer bei Bewusstsein, sein Zustand ist stabil", erklärte Teamarzt Florian Frisee. Für Lanzinger war es nach dem Bruch eines Mittelhandknochens beim Training in Sun Peaks im November die zweite schwere Verletzung in diesem Winter.
"Es ist nicht schön und sehr gefährlich, wenn solche Stürze im Super-G oder der Abfahrt passieren", kommentierte Streitberger den Unfall. "Ich kann mich deshalb auch über meinen Erfolg nicht freuen", so der Tagessieger weiter.
Tobias Laure / Eurosport