EURO 2012 - Muss England seinen Kapitän ausbooten?

Do 02.Feb. 17:20:00 2012

Darf ein möglicher Rassist England als Kapitän bei der EURO anführen? Auf der Insel tobt ein erbitterter Streit um John Terry. Es droht eine quälende Diskussion, denn nach einer Anhörung in der Affäre setzte das zuständige Gericht die Verhandlung für den 9. Juli an - also erst nach Ende der EM.

2009 England John Terry - 0

Terry selbst wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Ihm wird zur Last gelegt, Anton Ferdinand, dunkelhäutiger Profi bei den Queens Park Rangers, im Oktober auf dem Spielfeld rassistisch beleidigt zu haben.

Bis zum Ende des Prozesses "werde er sich nicht zu diesem Thema äußern", ließ der Chelsea-Star erklären.

Dafür melden sich andere umso lauter zu Wort. Fast einhellig fordert die Presse in Großbritannien nun, dass Terry die Kapitänsbinde abgeben und am besten ganz aus der Nationalelf geworfen werden sollte.

Nationalcoach Fabio Capello hingegen hatte bislang stets betont, er werde Terry nicht fallen lassen. Doch wie der Daily Mirror berichtet, gebe es in Kreisen hoher Funktionäre des Fußballverbandes Sorgen über "mögliche Probleme" angesichts der ungeklärt im Raum stehenden massiven Vorwürfe.

Doch weder der Verband noch der italienische Auswahltrainer weden sich wohl vor dem nächsten Testspiel am 29. Februar gegen die Niederlande in Wembley öffentlich äußern.

"Sonst wird es toxisch"

BBC-Experte Jason Roberts brachte die allgemeine Stimmung auf den Punkt, als er erklärte: "Ich denke nicht, dass der Kapitän der Nationalelf zur EURO fahren sollte. Der Grundsatz "unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils" gilt im Fußball nicht immer", so der einstige Top-Profi.

"Und vor allem: Wenn nicht die richtige Entscheidung getroffen wird, ist die Stimmung in der Umkleide bei der EURO "toxisch", warnt er mit Blick auf mögliche Spannungen zwischen dunkelhäutigen Nationalspielern und ihrem Kapitän.

Darf ein möglicher Rassist England als Kapitän bei der EURO anführen? Auf der Insel tobt ein erbitterter Streit um John Terry. - 2 Ob Politiker, Fußball-Experten oder Rassismus-Aktivisten - die Front gegen den 31-Jährigen ist breit. Niemand will Terry vorverurteilen, "doch die Schwere der Anschuldigungen bedeutet, dass er das Land nicht anführen kann", bringt es Piara Powar auf den Punkt, Geschäftsführer des europäischen Antirassismus-Netzwerks.

Etliche Kommentatoren warnen, dass ein Verbleib Terrys im Amt dazu führen würde, dass sein Fall bis zum Ende der EURO den sportlichen Aspekt überschatten oder gar teilweise in den Hintergrund geraten lassen würde.

"Er wird nicht nachgeben"

Die einfachste Lösung - ein freiwilliger, zeitweiser Verzicht des umstrittenen Abwehr-Asses auf sein Amt, scheint unwahrscheinlich. "Er wird nicht zurücktreten. Er ist von seiner Unschuld überzeugt und hielte das daher für den falschen Schritt", zitiert die BBC eine gute Quelle aus dem Umfeld Terrys.

Darf ein möglicher Rassist England als Kapitän bei der EURO anführen? Auf der Insel tobt ein erbitterter Streit um John Terry. - 3 Beim Pokalduell zwischen Chelsea und den Queens Park Rangers vor wenigen Tagen war im Vorfeld der eigentlich obligatorische Handschlag zwischen den Spieler vor dem Anpfiff offiziell angesetzt worden, um neue Aufregung zu vermeiden.

Doch neue Brisanz droht schon am kommenden Spieltag der Premier League. Dann treffen die Londoner auf Manchester United, wo Anton Ferdinands berühmter Bruder Rio spielt - der Vorgänger John Terrys im Amt des Kapitäns der "Three Lions".

Video: Terry-Prozess im Juli

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