Trotz Profi-Verlockungen: Hoffnung für Amateure

So 01.Nov. 13:05:58 2009

Berlin (dpa) ­ Das deutsche Amateur-Boxen hat einen Generationswechsel vollzogen und will den Aderlass Richtung Profilager stoppen. In den Finals der deutschen Meisterschaften in Berlin standen viele junge Talente; der Altersschnitt der elf Meister betrug 21,5 Jahre.

Jüngster Champion war Patrick Wojcicki (Wolfsburg/Welter) mit 18. «Es gibt einen Generationswechsel, und das ist gut so», kommentierte Jürgen Kyas (Lengerich), Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV), die wichtigsten Veränderungen.

Auch die vom Weltverband AIBA geplante semiprofessionelle «World Series of Boxing» begrüßt Kyas. Dabei handelt es sich um eine Art Weltliga für Amateure im Profistil, die im Herbst 2010 mit mehreren Teamstandorten starten soll. «Es ist die einzige Chance, den Abgang unserer Talente ins Profilager aufzuhalten und sie länger ans olympische Boxen zu binden», sagte Kyas. Für die Amateure gehe es ums Überleben, «deshalb unterstützen wir das vorbehaltlos».

Die Meisterschaften hinterließen zwiespältige Eindrücke. Es gab kaum Interesse der Öffentlichkeit für die vielfach guten Auftritte junger Boxer. Nur zwei der fünf vertretenen Meister von 2008 waren erneut erfolgreich. Ronny Beblik (Chemnitz) gewann bereits seinen fünften Titel seit 2004. Im Finale siegte der 23-jährige Sachse im Fliegengewicht gegen den 17-jährigen Hamsa Touba (Neuss) mit 6:2 Punkten. Im höchsten Limit kam Erik Pfeifer (Lohne) gegen den überforderten Philipp Gruner (Döbeln) zum Abbruchsieg durch RSC (Überlegenheit) in der dritten Runde. Stark präsentierten sich die Berliner Gastgeber, die vier Titel erkämpften.

Leider fehlte Weltmeister Jack Culcay-Keth. Der Darmstädter beklagte Wettkampfmüdigkeit und verzichte gar auf die vorgesehene Ehrung. «Er ist ohne Entschuldigung weggeblieben», sagte Kyas. Daraus schlussfolgerte er, man müsse davon ausgehen, «dass wir uns bei den Amateuren wohl von ihm verabschieden können».

Kyas drängte auf Veränderungen im deutschen Amateurboxen. «Unsere Selbstdarstellung als Verband ist antiquiert und stark renovierungsbedürftig», stellte er fest. Zwar sei finanziell vorerst die «Kuh vom Eis», doch «ich bin Realist genug, um zu sehen, dass noch genug Risiken da sind - auch, wenn im Moment keine unmittelbare Gefahr der Insolvenz im Verzug ist». Der DBV-Präsident forderte kreatives Handeln ein: «Wir brauchen eine Reformation des gesamten Verbandes ohne Wenn und Aber. Wenn wir die Erkenntnisse aus den kritischen Prüfungen nicht eins zu eins umsetzen, gehen wir den Bach runter.»

 

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .