Meisterform verzweifelt gesucht: Wölfe ratlos

So 01.Nov. 10:20:15 2009

Wolfsburg (dpa) - Mit leicht mürrischem Blick und verkniffenen Mundwinkeln stellte sich Armin Veh den wartenden Journalisten. Und der Trainer des deutschen Meisters versuchte erst gar nicht, seinen Frust hinter Plattitüden zu verbergen.

«Wir sind maßlos enttäuscht», konstatierte der Fußball-Lehrer nach dem mageren 3:3 (2:2) gegen Aufsteiger FSV Mainz 05. Das Problem der «Wölfe»: Anspruch und Wirklichkeit klaffen derzeit weit auseinander, meisterlich sieht anders aus. Denn beim angestrebten Angriff auf die Bundesliga-Spitze hat der VfL wie schon gegen Hertha (0:0) und Bochum (1:1) wichtige Zähler liegen gelassen. «Das ist einfach zu wenig. Wenn man den Anspruch hat, ganz oben zu sein, muss man zu Hause gegen Mainz gewinnen», resümierte Veh. Punkt, Aus.

Anstatt den Rückstand weiter schrumpfen zu lassen und mit einem Erfolgserlebnis zum Champions-League-Gruppenspiel nach Istanbul zu reisen, mussten sich die Wolfsburger auch noch Unmutsbekundungen ihrer Fans anhören. «Ich kann sie verstehen. Jetzt ist es an uns, diese Stimmen verstummen zu lassen», sagte Spielmacher Zvjezdan Misimovic, nach dessen 3:2 (64.) sich die Gastgeber schon auf der Siegerstraße wähnten. Doch Gäste-Kapitän Tim Hoogland (85.) vermieste mit seinem Ausgleich kurz vor Schluss nicht nur «Zwetschge» die Laune. «Ich will jetzt nicht die Abwehr beschuldigen, sondern allgemein unser Defensivverhalten. Da stellen wir uns einfach zu dumm an», meinte der bosnische Nationalspieler.

Dabei hatte die Veh-Elf im Duell «Meister gegen Aufsteiger» zunächst die besseren Karten. Der formschwache Torschützenkönig Grafite, der nach seinem einwöchigen Heimaturlaub auf der Tribüne Platz nahm, wurde von Obafemi Martins bestens vertreten. Mit seinem Doppelpack (7./20.) schien der zuletzt gescholtene Nigerianer, der sich wegen anhaltender Schienbeinprobleme in der Winterpause wohl einer Operation unterziehen muss, den Meister auf Kurs zu bringen. «Ich hatte den Eindruck, wir haben uns schon zu sicher gefühlt», versuchte sich Veh in Ursachenforschung.

Nach Ansicht von Veh dominierte sein Team über weite Strecken die Partie. Doch weil die Mainzer «Karnevals-Kicker» ihre derzeitigen Trümpfe - effektive Chancenverwertung und Kampfgeist - in die Waagschale warfen, wendete sich das Blatt. Sehr zum Missfallen von Veh und zur Freude von Gäste-Coach Thomas Tuchel. «Die Art und Weise, wie mein Team aufgetreten ist, macht mich stolz», sagte der 36-Jährige, der seine Mannen um die beiden anderen Torschützen Chadli Amri (35.) und Andreas Ivanschitz (41.) weiter auf dem richtigen Weg sieht: «Bei uns in der Kabine ärgern sich die Spieler, dass sie nicht drei Punkte mitgenommen haben. Das ist genau das, wo wir hinwollen.»

Da wo sie hinwollen, sind die Wolfsburger noch lange nicht. Und an eine Wiederholung der Geschichte glaubt keiner - denn auch im Meisterjahr kam der VfL in der Hinrunde nur schwer in die Gänge. «Aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass wir wieder so eine Rückrunde spielen», meinte Misimovic, der seinen Blick nicht zurück, sondern lieber nach vorne richtete. «In Istanbul müssen wir jetzt die Punkte holen, die wir beim 0:0 zu Hause haben liegen lassen.»

 

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