Nürnberg (dpa) - Aaron Hunt brachte mit seinem Doppelpack in Nürnberg sogar DFB-Spion Andreas Köpke zum Staunen. Nach seinem Last-Minute-Kunsttor beim 2:2 in Nürnberg darf der Bremer Jungstar auf eine Nominierung für die letzten beiden Länderspiele des Jahres hoffen.
Doch Hunt ist nach vergangenem Verletzungspech vorsichtig geworden. Bescheiden analysierte er den glücklichen Punktgewinn, die Erfolgsserie des Tabellenzweiten von 17 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage und seine jüngste Leistungsexplosion. Wenn er zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft eingeladen werde, freue ihn das, wenn nicht, dann vielleicht beim nächsten Mal. «Aaron hat uns in letzter Sekunde gerettet», dankte Werder-Trainer Thomas Schaaf dem 23-Jährigen, der in den vergangenen fünf Spielen fünfmal getroffen hat.
Butterweich stoppte Hunt in der Nachspielzeit den Ball mit der Brust, jagte ihn per Dropkick in den Winkel - und löste beim «Club» kollektiven Seelenkater aus. Die Nürnberger bleiben nach der gefühlten Niederlage auf einem Abstiegsplatz. «Dass wir heute nicht als Sieger vom Platz gegangen sind, ist für uns eine Katastrophe», jammerte «Club»-Trainer Michael Oenning nach dem Klassespiel seiner Mannschaft. Den «Club»-Fans blieb der Jubel in der Kehle stecken, als Hunt mit einem Urschrei und geballten Fäusten sein spätes Tor feierte. «Der Ball fällt mir auf die Brust, ich halte einfach drauf und wusste, dass er oben einschlagen würde», schilderte Hunt seinen Kunstschuss.
«Aaron kann solche tollen Leistungen abrufen und zeigt das jetzt auch konstant. Ich hoffe, er bleibt dran», urteilte Schaaf über den Offensiv-Allrounder. Wie sonst nur Claudio Pizarro, der wegen einer Sprunggelenksverletzung am Samstag frei hatte, stand Hunt auch beim Kopfball-Anschlusstor in der 72. Minute an der richtigen Stelle. «Aaron ist inzwischen ein sehr konstanter Leistungsträger», würdigte Verteidiger Naldo den Platz Hunts in der Werder-Hierarchie. Der Stürmer selbst übte sich in Zurückhaltung: «Dass wir hier einen Punkt mitnehmen, wird der Mannschaft Auftrieb geben. Das war verdammt wichtig, dass wir hier nicht verlieren.»
Hunt ist endlich seit längerer Zeit verletzungsfrei. Er überzeugt mit starken Auftritten. In Nürnberg registrierte es Bundestorwarttrainer Köpke anerkennend, Bundestrainer Joachim Löw hat Hunt ohnehin eine zeitnahe Berufung in die Nationalmannschaft in Aussicht gestellt - vielleicht sogar schon für die Tests am 14. November gegen Chile und am 18. November gegen die Elfenbeinküste.
Am 11. Spieltag hätten die Nürnberger die Hunt-Gala auf jeden Fall verhindern können. Der «Club» war die dominierende Mannschaft und lag nach den Treffern von Christian Eigler (3.) und Albert Bunjaku (33.), der seinem vierten Saisontor einen Doppel-Salto folgen ließ, verdient vorne. «Das war die schlechteste erste Halbzeit, die wir in dieser Saison gespielt haben», kritisierte Hunt. Schaaf attestierte seinem Team «eine rabenschwarze erste Hälfte. All' das, was wir in letzter Zeit souverän rüber gebracht haben, ist uns heute nicht gelungen.» Eine bittere Pille musste Schaaf am Sonntag schlucken: Kapitän Torsten Frings erlitt einen Muskelfaserriss und fällt vorerst aus.
Als die Nürnberger einige hochkarätige Chancen zum 3:0 verballerten und Hunt zum 1:2 traf, wachte Werder auf und zeigte Moral. Da habe die Mannschaft mit sehr viel Risiko nach vorne gespielt und ihre Qualität gezeigt, zog Schaaf ein versöhnliches Fazit und verabschiedete sich mit tröstenden Worten an den Verlierer aus Franken. «Die Nürnberger haben mit Leidenschaft gespielt. Wenn sie weiter diese Leistungen bringen, holen sie noch viele Punkte.»


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