Boateng-Auswechslung umstritten - Gladbach befreit

So 01.Nov. 12:37:24 2009

Hamburg (dpa) - Nach der ersten Saisonniederlage gegen Borussia Mönchengladbach ist HSV-Trainer Bruno Labbadia in die Kritik geraten. «Ich glaube schon, dass der Trainer zu spät gewechselt hat. Jerome ist die ganze Zeit auf einem Bein gelaufen», kritisierte Zé Roberto.

Die Trainerentscheidung war mitverantwortlich für die 2:3 (1:1)-Niederlage der Hamburger gegen die bis dahin auswärts erfolglosen Gladbacher. Der am Fuß verletzte Innenverteidiger Jerome Boateng konnte die konternden Gäste auf seiner Seite nicht mehr halten.

«Jerome hat kein Signal gegeben, dass er raus muss», grollte Labbadia. Er habe trotz mehrmaliger Aufforderung keine Antwort von Boateng bekommen und werde ihn nun zur Aussprache zitieren, kündigte der HSV-Coach an. Er wurde aber auch gefragt, warum er den humpelnden U-21-Europameister nicht einfach vom Platz genommen hatte.

Die Hamburger verfügten auf der Auswechselbank über keinen Verteidiger-Ersatz. Nach den vielen Verletzungen und der Rot-Sperre von David Rozehnal sind Alternativen rar. «Ich wollte für die Mannschaft auf die Zähne beißen, doch das ist schiefgegangen», räumte der untröstliche Boateng ein. «Auf und neben dem Platz ist er vorbildlich, eine verlässliche Größe», lobte ihn DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in einem Vergleich mit seinem undisziplinierteren Bruder Kevin-Prince in der «Welt am Sonntag».

Ganz cool ging der eingewechselte Ex-Gladbacher Marcell Jansen, der sogar noch das 3:3 auf dem Fuß hatte, mit der unerwarteten Niederlage um: «Man kann ja mal verlieren», lautete die Erkenntnis, «es haben alle alles gegeben, das kann kein Kritikpunkt sein.» Im Europa-League-Spiel gegen Celtic Glasgow steht Rozenahl wieder zur Verfügung, doch nach den Verletzungen von Collin Benjamin und Alex Silva scheint der HSV neben der Offensive auch für die Defensive plötzlich zu wenig Personal zu haben.

Gladbachs Trainer Michael Frontzeck verspürte dagegen Genugtuung nach dem Sieg seiner zu Unrecht als «Graue Mäuse» titulierten Mannschaft. Gänzlich respektlos empfand der Trainer die Schlagzeilen des Hamburger Boulevard, die ihn hart getroffen hatten. «Wir sind immerhin fünfmal deutscher Meister gewesen, haben international für Furore gesorgt. Und auch wenn die Titel - wie beim HSV - schon etwas her sind, kann man uns nicht so behandeln», kritisierte der Gladbacher, dem das Wort «destruktiv» unter der Woche in der Presse besonders aufgestoßen war. Tatsächlich begannen die Gäste äußerst defensiv gegen die hoch favorisierten Norddeutschen, ließen sich aber von der zweimaligen Führung durch Piotr Trochowski (13.) und Zé Roberto (47.) nicht entmutigen.

«Die Mannschaft hat die Nackenschläge weggesteckt, dann das Herz in beide Hände genommen und die Partie gedreht», sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl nach dem ersten «Dreier» auf fremdem Platz, der für ihn eine Frage der Kontinuität seiner Mannschaft in den vergangenen Woche war. Die Kontertore von Marco Reus (39.), Dante (76.) und Rob Friend (82.) waren hochverdient, zumal Gladbach in der letzten Viertelstunde wie ausgewechselt in der ausverkauften Nordbank-Arena auftrumpfte und die Gastgeber ein ums andere Mal stehen ließ. «Das ist kein Grund, freudig durch Gladbach zu laufen, aber ein bisschen befreiend», meinte Frontzeck, warnte aber vor der nächsten Aufgabe: «Das heißt jetzt nicht, dass wir über Stuttgart so drüberrollen.»

 

Kommentare 1 - 4 of 4

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  1. Wir Borussen haben klar von diesem Missgeschick­ profitiert. Ich glaube aber nicht, dass der HSV nur­ deswegen verloren hat. Da gab es viele Faktoren, einige­ auf Hamburger, einige auf Gladbacher Seite. Zum Trainer­ sag' ich mal nichts, Labbadia kenne ich einfach zu­ wenig, nur soviel: gerade in Gladbach habem wir viel­ Erfahrung mit jungen Talenten. Dass ein Boateng sich­ selbst und eine moegliche Verletzung (noch) nicht­ richtig einschaetzen kann sollte man ihm nicht zum­ Vorwurf machen. Da steht neben dem Spieler selbst und­ dem Trainer z.B. auch der Mannschaftskapitaen oder in­ Boatengs Fall der Abwehrchef in der Schuld. Die­ erfahrenen Leute muessen da ein bisschen fuer die­ jungen Burschen mitdenken, gerade in einem so­ aufregenden Spiel.

    Was man zudem nicht vergessen­ sollte, ist eure derzeit problematische­ Personalsituation. Boateng wollte "fuer die­ Mannschaft auf die Zaehne beissen" und ich denke­ mal, dass Labbadia moeglicherweise hoffte, dass es­ mangels echter Verteidigeralternativen irgendwie­ gutgehen wird. So hat wohl jeder das Beste gewollt aber­ daraus die falschen Schluesse gezogen.

    Ihr habt beim­ HSV aber einen derart talentierten Kader, dass ihr­ euren Weg gehen werdet. Die Art und Weise wie ihr­ Fussballs spielt erinnert mich (Bitte um­ Entschuldigung) an vergangene Zeiten in Gladbach. Ihr­ habt klar das Zeug zur Meisterschaft und dafuer­ wuensche ich euch alles Gute. Den HSV und die Borussia­ verbindet mehr als nur eine Raute.

    Von Morski, am Fr 6.Nov. 3:49
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    Der Trainer entscheidet, ob und wann er einen Spieler­ auswexelt und niemand sonst. Der Arzt entscheidet, ob­ er es verantworten kann, den Spieler so weiter spielen­ zu lassen und nicht der Spieler selber. Wenn ich meine­ Mannschaft liebe, dann will ich auch noch weiterkämpfen­ wenn ich nur noch ein Bein, keine Arme und den Kopf­ 180° verdreht habe, aber das geht eben nicht. Wenn er­ sich jetzt wirklich schwer verletzt hat und es ist­ durch die ständige Weiterbelastung noch schlimmer­ geworden, habt ihr vielleicht seine Karriere auf dem­ Gewissen.

    Von TROLL, am Di 3.Nov. 0:07
  3. Da kann Laberdiva noch so viel labern, Laberdiva hat­ versagt und ein gehöriges Grad Mitschuld an der­ Niederlage.

    Von Wolfgang, am Mo 2.Nov. 19:43
  4. Naja vielleicht hat Boateng keine Signale gegeben ,­ ABER die gesamte Nordtribüne ( wenn nicht das gesamte­ Stadion ) hat gesehen daß er sich verletzt hatte und­ nicht mehr richtig spielen konnte. Meine Meinung nach­ macht Labbadia es sich einwenig zu einfach wenn er sagt­ daß Boateng nichts gesagt hat . Dafür ist Labbadia doch­ Trainer , ein Trainer muss sowas doch erkennen , oder­ ?!? Ausserdem hätte er den Jerome einfach rausnehmen­ können, oder ?!? Ich finde beide tragen die Schuld ,­ Boateng hätte etwas sagen können und Labbadia hätte ihn­ auch so raus nehmen können. Naja was soll's ,­ hauptsache wir ( HSV ) hacken diese Niederlage ab und­ konzentrieren uns auf die kommenden Spiele. Wir haben­ mal wieder zuviele Punkte liegen lassen ( nur 2 Punkte­ in 3 Spielen geholt ) , die uns wahrscheinlich am Ende­ der Saison bitter fehlen werden.

    Von Mike, am Mo 2.Nov. 14:55
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