Bayer-Geschenk auf Schalke: Völler «2:2 verloren»

So 01.Nov. 11:57:33 2009

Gelsenkirchen (dpa) - Es gab keinen Gewinner, aber «gefühlte Verlierer» und «moralische Sieger». Sportdirektor Rudi Völler brachte den Gemütszustand des traurigen Bundesliga-Tabellenführers Bayer Leverkusen nach dem 2:2 in Gelsenkirchen knackig auf den Punkt.

«Du hast hier 2:2 verloren, das ist einfach so», betonte Völler nach dem turbulenten Spitzenspiel beim FC Schalke 04. Auch Bayer-Coach Jupp Heynckes, wegen einer Grippe die ganze Woche über außer Gefecht, war nach dem verschenkten Sieg verschnupft. «Die letzte Viertelstunde war Wahnsinn. Da muss man aufpassen, dass man gesund bleibt und nichts am Herzen hat», beschrieb Schalkes Keeper Manuel Neuer die Gefühls-Achterbahn nach dem Krimi und feierte das Remis wie einen Dreier.

Souverän, spielstark und abgeklärt strebte die Werkself nach Toren von Toni Kroos (29.) und Stefan Kießling (44.) dem scheinbar sicheren Erfolg entgegen, ehe Schalke wie schon vor sechs Tagen beim Heimspiel gegen den Hamburger SV (3:3) mit einer furiosen Schlussoffensive doch noch den Ausgleich erzwang. «Wir haben den Sieg verschenkt», jammerte Nationaltorhüter René Adler und gestand seinen Fehler beim 2:2- Ausgleich freimütig ein: «Wenn ich rauskomme, muss ich den Ball haben.» Auch Kroos konnte sich über sein fulminantes Tor nicht mehr freuen. «Dafür kann ich mir nichts kaufen. Es überwiegt die Enttäuschung, dass wir das Spiel noch aus der Hand gegeben haben.»

Kevin Kuranyi hatte mit seinem sechsten Saisontor (83.) das nach der Auswechslung (74.) des angeschlagenen Innenverteidigers Sami Hyypiä entstandene Chaos im Bayer-Strafraum genutzt. Nur fünf Minuten später verwandelte «Joker» Vicente Sanchez die mit 61 673 Fans ausverkauften Arena erneut in ein Tollhaus. Vor einer Woche war sein Team gegen den HSV sogar zweimal zurückgekommen und hatte das Remis gegen zehn Hamburger in der 90. Minute durch Kuranyis Treffer gerettet. Doch diesmal glaubte selbst Felix («Der Glückliche») Magath nicht mehr an das Happy End. «Leverkusen war in der erste Hälfte eine Klasse besser. Ich hatte das HSV-Spiel zur Pause zwar im Hinterkopf, aber wenig Hoffnung, dass wir auch dieses Spiel wieder mit einem Kraftakt umdrehen können», gab der Coach des Tabellenvierten zu.

Nicht nur die jahrelang mit «Stolperfußball» gequälten königsblauen Fans berauschten sich an dem Spektakel, auch Magath findet mehr und mehr Gefallen am eigenen Werk. «Das war nervenaufreibend. Aber dafür bin ich ja nach Schalke gekommen. Damit ich so etwas erlebe. Hier ist immer was los.» Dennoch habe man gegen die beiden Topteams Hamburg und Leverkusen gesehen, was seiner Elf noch fehle. «Sie haben gezeigt, wie Spitzenmannschaften agieren. So weit sind wir noch nicht», meinte Magath, lobte aber seine junge Truppe nach dem siebten Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage, «wir machen mit unserer Kraft und Moral momentan das Bestmögliche. Und das finde ich fantastisch.»

Neuerliche Fragen nach den Finanzen («Die kriegen wir in den Griff») umschiffte er elegant, Zeit für Kritik fand Magath dennoch: Diesmal traf es Schiedsrichter Michael Weiner aus Giesen. «Wir haben eigentlich gut begonnen. Dann hat er uns mit vielen kleinen Entscheidungen aus dem Tritt gebracht und das Spiel in eine andere Richtung gelenkt», schimpfte Magath. Bei dieser Analyse mochte Völler ihm nicht folgen, denn eine wirkliche Fehlentscheidung war dem Referee tatsächlich nicht anzulasten. «Herr Weiner war sicher kein Heim-Schiedsrichter», konstatierte Völler, zog aber einen anderen Schluss: «Das heißt: Er hat korrekt gepfiffen.»

 

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. Bayer`s Remis erfreut Hamburg, bremen. die Bayern und­ Hoffenheim - die haben ja auch alle geschwächelt...

    Von set.point_charly, am So 1.Nov. 12:07
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