Giro d'Italia - Giro: Contador der "König von Italien"

Eurosport - Mo 02.Jun. 12:29:00 2008

Souverän hat Alberto Contador im abschließenden Zeitfahren seinen Giro-Triumph perfekt gemacht. Der Spanier nahm seinem ärgsten Rivalen Riccardo Ricco auf den 28,5 km nach Mailand fast zwei Minuten ab. Den Etappensieg holte sich Marco Pinotti (Italien/High Road) vor Teamkollege Tony Martin.

CYCLING 2008 Giro Contador - 0

Nur um sieben Sekunden verpasste die deutsche Nachwuchshoffnung zum Abschluss der dreiwöchigen Rundfahrt einen großen Coup. Trösten konnte sich Martin immerhin damit, dass ein Teamkollege den Tagessieg feierte. Mit einem Schnitt von 52,213 km/h raste Pinotti über den leicht abschüssigen Kurs in die lombardische Hauptstadt.

Contador reichte Platz elf im Kampf gegen die Uhr, um das "maglia rosa" in Mailand zu verteidigen. Er baute damit seinen Vorsprung gegenüber Ricco (Saunier Duval) von vier Sekunden auf 1:57 Minuten aus. Der erhoffte Etappensieg blieb ihm aber auch im Zeitfahren verwehrt - aufkommender Gegendwind am Spätnachmittag machte den letzen Startern das Leben schwer. So ging erstmals seit 2002 der Gesamtsieg an einen Fahrer, der kein Teilstück gewinnen konnte.

"Lieber als zweiter Tour-Sieg"

Der Madrilene beendete damit nicht nur eine Serie von elf italienischen Siegen in Folge und wurde der erste spanische Sieger in Italien seit Miguel Indurain 1993. Der Astana-Profi brachte es in den letzten drei Wochen auch zu erstaunlicher Beliebtheit bei den italienischen Tifosi, die darin gipfelte, dass er von der ausrichtenden "Gazzetta dello Sport" zum "Re d'Italia", zum König von Italien, ausgerufen wurde. Contador dankte es den Fans, indem er sagte: "Das ist meine Tour de France in diesem Jahr. So ein Giro-Sieg ist mir lieber als ein zweiter Tour-Erfolg."

Contadors Team Astana hat in diesem Jahr aufgrund zahlreicher Doping-Skandale in der jüngeren Vergangenheit keine Einladung nach Frankreich erhalten. Der 25-Jährige haderte nach seinem Triumph mit dieser Entscheidung jedoch nicht mehr: "Natürlich gefällt mir das nicht, aber ich glaube nicht, dass sich daran noch etwas ändert. Außerdem hätte ich nach diesem harten und anstrengenden Giro sowieso keine Kraft mehr, zur Tour zu fahren."

Menchov erobert Platz fünf

Den dritten Rang mit 2:54 Abstand zum Sieger belegte Marzio Bruseghin. Der Lampre-Routinier verteidigte seinen Platz auf dem Podium um zwei Sekunden gegen seinen italienischen Landsmann Franco Pellizotti (Liquigas). Auf das Podium hatte auch Dennis Menchov gelauert. 42 Sekunden trennten den Rabobank-Profi von Platz drei. Doch wie viele andere Fahrer musste der Russe im abschließenden Kampf gegen die Uhr den Strapazen der Rundfahrt Tribut zollen. Der an sich gute Zeitfahrer kam über den 25. Rang nicht hinaus. Immerhin schob er sich mit 1:29 Minuten Rückstand auf den Tagessieger vorbei an Emanuele Sella (CSF) auf den fünften Rang im Gesamtklassement. Ein beachtliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Italien-Rundfahrt für Menchov als Vorbereitung für die Tour de France gedacht war.

Während Contador über seinen Gesamtsieg erst im Ziel jubeln konnte, waren die anderen Wertungstrikots schon vor der letzten Etappe vergeben. Das Weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer sicherte sich Ricco, der sich bis zuletzt sogar Hoffnungen auf den Gesamtsieg hatte machen dürfen. Das Grüne Trikot des besten Bergfahrers eroberte Emanuele Sella, der überdies drei Etappen im Hochgebirge für sich entscheiden konnte. Mit diesen drei Triumphen lag der CSF-Profi auch in der Wertung des "maglia ciclamino" an zweiter Position. Doch an dem Sprinter Daniele Bennati, der ebenfalls drei Etappen gewinnen konnte, kam der Bergkönig nicht vorbei.

"Rote Laterne" für Eichler

Eine zweifelhafte Ehre wurde Markus Eichler zuteil. Der Deutsche belegte nach der abschließenden Etappe den letzten Platz in der Gesamtwertung und erhielt als "rote Laterne" eine schwarze Startnummer. Eine Auszeichnung, die dem fleißigen Milram-Helfer sicherlich egal war. Sage und schreibe 56 Fahrer kamen gar nicht erst in Mailand an und mussten dem harten Kurs durch Italien über Alpen, Abruzzen und Dolomiten Tribut zollen.

Hinweis:

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Jonas Steldinger / Eurosport