French Open - Topstars sagen ATP-Chef Kampf an

Eurosport - So 01.Jun. 21:34:00 2008

Federer, Nadal und Djokovic sagen ATP-Chef Etienne de Villiers den Kampf an: Mit ihrem Beitritt zum Spielerrat wollen sie endlich ein größeres Mitspracherecht der Profis erwirken und den Alleingängen de Villiers' ein Ende setzen.

TENNIS 2008 French Open de Villiers Hintergrund - 0

Auch während in Paris der neue Sandplatzkönig gesucht wird, weht ATP-Chef Etienne de Villiers der Gegenwind immer heftiger ins Gesicht. Der Südafrikaner lenkt seit 2006 die Geschicke der Spielervereinigung und hat zuvor in seiner Zeit als Präsident des europäischen Sektors des Disney-Konzerns eine Affinität zum amerikanischen Markt entwickelt.

Enormes Konfliktpotenzial

Dass er deshalb nun mit harter Hand besonders die Interessen der Turniere in Übersee vertritt, verärgert zunehmend die europäischen Spieler. Und auch durch die Tatsache, dass die ATP inzwischen nicht mehr nur die reinen Spielerbelange, sondern gleichzeitig die Interessen der Turniere wahrt, birgt enormes Konfliktpotenzial.

De Villiers hat den aktuellen Turnierkalender, in dem die Sandplatzsaison um eine Woche verkürzt wurde, und den künftigen, in dem das Hamburger Turnier nicht mehr als Masters-Event geführt wird, maßgeblich verantwortet und dafür bereits harsche Kritik der Führungsspieler geerntet. Nun setzen sie zum erneuten Gegenschlag an.

Nadal: "Zuletzt ist viel schief gelaufen"

In Paris haben Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic verkündet, dass sie sich als neue Vertreter im Spielerrat eingetragen haben. Da es keine Gegenkandidaten gibt, müssen sie sich nicht einmal wählen lassen. Mit diesem Schritt geht der Machtkampf mit de Villiers in eine neue Phase. "Es kann nur noch besser werden", sagte Federer. "Ich bin mit Rafael und Novak der Ansicht, dass wir ein paar Dinge mitentscheiden sollten. Eigentlich hatten wir nie ein großes Interesse an den politischen Fragen, aber nun bleibt uns kaum etwas anderes übrig. Und vielleicht können wir so auch andere Spieler motivieren, sich zu engagieren."

Und auch Nadal pflichtet der Nummer eins bei: "Es gibt so viele Dinge, mit denen wir nicht einverstanden sind. Da ist zuletzt sehr viel schief gelaufen. Wir wollen zumindest informiert werden, bevor Entscheidungen getroffen werden. Und das hat der Spielerrat bisher nur selten gemacht. Wenn man im Rat ist, hat man die Informationen, bevor etwas passiert ist."

Djokovic: "Endlich stehen wir Spieler zusammen"

Im Spielerrat, dem "Players Council", sind elf Spieler aus verschieden Bereichen der Top 100, inklusive zweier Doppelspieler und ein Coach vertreten. Sie bestimmen drei Vertreter, die im so genannten "Board of Directors" ihre Interessen gegenüber drei Turnierverantwortlichen und de Villiers wahren. Mit den drei bisherigen Spielervertretern im Board war man zuletzt sehr unzufrieden, in Wimbledon soll daher neu gewählt werden. Federer, Nadal und Djokovic erhoffen sich mit ihrem Beitritt zum Spielerrat, den Druck auf die drei eigenen Vertreter erhöhen zu können.

Schon allein, um die Absetzung de Villiers zu forcieren, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft. Zuletzt hatten 20 Spitzenspieler, darunter Nadal, eine Petition unterschrieben, in dem die Entscheidungsträger der ATP aufgerufen werden, den Vertrag mit de Villiers nicht unbesehen zu verlängern. "Es muss jemand oben stehen, der allen Turnieren die gleiche Chance gibt", forderte Nadal, der bereits die Änderungen des diesjährigen Kalenders scharf kritisiert hat: "Der Turnierkalender war immer hart, aber jetzt könnte es kaum schlimmer kommen. Drei Masters Turniere in vier Wochen sind unmöglich."

Djokovic sieht bereits den Beginn eines Umdenkens der Spieler: "Ich habe endlich das Gefühl, dass wir Spieler uns vereinigen, wirklich zusammenstehen, um etwas zu verändern für eine bessere Zukunft. Und das ist das Wichtigste." De Villiers dürfte es ungern vernommen haben.

Aus Paris berichtet Petra Philippsen / Eurosport