UEFA Cup - Rangers mauern sich ins Finale

Eurosport - Do 01.Mai. 23:55:00 2008

Die Glasgow Rangers haben das Endspiel im UEFA-Pokal erreicht. Der schottische Vize-Meister setzte sich nach insgesamt 210 torlosen Minuten aus Hin- und Rückspiel inklusive Verlängerung im Elfmeterschießen durch. Nacho Novo verwandelte den letzten Schuss sicher zum 4:2-Endstand für die Rangers.

Rangers - 0

Die Schotten waren über die gesamte Spielzeit hinweg spielerisch klar unterlegen, profitierten aber von der mangelnden Chancenverwertung der Fiorentina und der eigenen Nervenstärke im Elfmeterschießen. Der Traditionsklub aus Glasgow steht damit zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder in einem Europapokalendspiel und trifft dort auf Bayern-Bezwinger Zenit St. Petersburg.

1. Halbzeit:

Vor den erwartungsfrohen 39.000 Zuschauern im ausverkauften Stadio Artemio Francchi waren die Gastgeber aus Florenz in der ersten Hälfte das druckvollere Team. Die Rangers, die in der Toskana nur mit der einzigen Spitze Jean-Claude Darcheville angetreten waren, legten von Beginn an sehr viel Wert auf die Defensive und trauten sich nur selten in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Die Fiorentina konnte aus der optischen Überlegenheit jedoch kein Kapital schlagen. Sobald die Gastgeber in den Strafraum eindrangen, standen sie einem schottischen Bollwerk gegenüber.

Auf den ersten Torschuss mussten die Fans aus Florenz 20 Minuten warten. Riccardo Montolivo scheiterte aus 20 Metern am Rangers-Torwart Neil Alexander. Der erste gefällige Angriff der Fiorentina wurde nach einer knappen halben Stunde vorgetragen. Der Rückpass von Giampaolo Pazzini erreichte aber keinen Mitspieler. In der 38. Minute zeigten Barry Ferguson und Darcheville die einzige sehenswerte Kombination der Gäste in der ersten Halbzeit. Nachdem beide nicht zum Torabschluss gekommen waren, stand Ferguson beim Pass von Darcheville im Abseits.

2. Halbzeit:

Die zweite Hälfte entwickelte sich zu einem einzigen Sturmlauf der Fiorentina, die zwischen der 49. und der 62. Minute fünf klare Tormöglichkeiten besaß. Jedes Mal jedoch flog der Ball entweder knapp am gegnerischen Kasten vorbei oder der Angriff wurde im letzten Moment von den Rangers gestoppt. Die Gäste verschanzten sich in dieser Phase regelrecht in der eigenen Hälfte und luden das Team aus Florenz in großer Regelmäßigkeit zu Tempoangriffen ein.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die Angriffe der Gastgeber immer verzweifelter. Adrian Mutu scheiterte mit einem Gewaltschuss aus 30 Metern an Alexander (70.) und der für Pazzini eingewechselte Stürmer-Routinier Christian Vieri war zehn Minuten später zu überrascht, als er aus Nahdistanz an den Ball kam und überhastet vergab. Fünf Minuten vor Schluss hätte Steven Whittaker den Spielverlauf beinahe drastisch auf den Kopf gestellt, als er mit einem Schlenzer an Florenz' Torwart Sebastien Frey scheiterte. Anschließend dauerte es nicht mehr lange bis zur Verlängerung.

Verlängerung und Elfmeterschießen:

Der italienische Ex-Nationalstürmer Vieri war in der 30-minütigen Verlängerung der auffälligste Spieler. Nicht einmal 60 Sekunden waren absolviert, als der 34-Jährige knapp am Tor vorbeischoss. Auch die beiden weiteren Chancen konnte er nicht nutzen, als er in der Schlussphase über die Querlatte (119.) und wenig später ans Außennetz schoss (120.). Zwischenzeitlich hatte Rangers-Stürmer Daniel Cousin die Gelb-Rote Karte gesehen (109.) und Nacho Novo (118.) die größte Chance der Gäste in der Verlängerung vergeben. Das Elfmeterschießen war schließlich nicht mehr zu verhindern.

Im Elfmeterschießen sah es zunächst sehr gut für Florenz aus, nachdem Frey gleich den ersten Schuss von Rangers-Kapitän Barry Ferguson gehalten hatte. Anschließend verwandelten jeweils zwei Spieler beider Mannschaften ihre Elfmeter sicher, ehe Fabio Liverani an Alexander scheiterte und somit wieder alles offen war. Nachdem auch der zuvor so stark auftrumpfende Vieri den Ball nicht im Tor unterbrachte, verwandelte Novo den entscheidenden Strafstoß und führte die spielerisch krass unterlegene Mannschaft aus Glasgow ins Endspiel des UEFA-Cups. Gegner am 14. Mai in Manchester ist dann Zenit St. Petersburg, das sich gegen Bayern München durchsetzte.

Spieler des Spiels: Neil Alexander

In seinem erst zweiten Europacup-Spiel hielt der Rangers-Torwart zunächst 120 Minuten lang seinen Kasten sauber und wehrte im Elfmeterschießen den Schuss von Liverani grandios ab.

Tobias Wiltschek / Eurosport