Eurosport - Do 01.Mai. 21:37:00 2008
Der Traum vom Triple ist vorbei. Der FC Bayern unterlag im Halbfinal-Rückspiel des UEFA-Pokals nach einer erschreckend harmlosen Vorstellung gegen den russischen Meister Zenit St. Petersburg sang- und klanglos mit 0:4 (0:2). Im Hinspiel hatten sich die Teams in München 1:1 getrennt.
Blickt man in die Geschichtsbücher, kann man den Abend in St.Petersburg getrost als Demontage bezeichnen. Bis ins Jahr 1991 muss man zurückblättern, um eine Niederlage in gleicher Höhe zu finden. Damals war der deutsche Rekordmeister in der zweiten Runde bei B 1903 Kopenhagen mit 2:6 unter die Räder gekommen. "Wir müssen uns eigentlich bei den Fans entschuldigen. Das war das schlechteste Spiel, an das ich mich erinnern kann", meinte ein niedergeschlagener Luca Toni nach dem Abpfiff. Auch Ottmar Hitzfeld, für den die Partie den Abschied vom Europapokal bedeutete, versuchte nichts zu beschönigen: "Wir haben eine katastrophale Leistung gebracht. Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen."
1. Halbzeit:
Das Spiel begann bereits mit einem deutlichen Fehlstart. Nach nur vier Minuten trat Pavel Progrebnjak zum Freistoß an und brachte Zenit mit einem kräftigen Flachschuss durch die Mauer in Führung. Die taktische Situation änderte sich für die Hitzfeld-Elf dadurch noch nicht. Nach dem 1:1 in München musste das Team immer noch ein Tor erzielen, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Dementsprechend agierte der Rekordmeister aus einer kompakten Defensive, um sich nicht per Konter einen zweiten Treffer einzufangen.
Offensiv waren die Gäste zwar überlegen, verfehlten es jedoch, sich klare Chancen zu erarbeiten. Zenit dagegen hatte deutlich weniger Ballbesitz, hätte aber in der 22. Minute beinahe auf 2:0 erhöht, als Aleksandr Anjukow sich anschickte im Fünfmeterraum auf seinen einschussbereiten Mitspieler abzulegen. Nur eine Glanzparade von Oliver Kahn verhinderte Schlimmeres. Nach einer weiteren Viertelstunde, in denen die Bayern es versäumt hatten, sich Zählbares zu erarbeiten, versetzte Zenit den Gästen den nächsten Schock, als Konstantin Zyrianow an Martin Demichelis und Ze Roberto vorbei auf das Tor zustürmte und die Führung zum2:0-Halbzeitstand ausbaute (39.).
2. Halbzeit:
Die zweite Halbzeit begann, wie die erste zu Ende gegangen war. Bayern war feldüberlegen, Zenit setzte die Ausrufezeichen. Nachdem zunächst Toni (49.) und der eingewechselte Christian Lell (53.) verfehlt hatten, stürmte auf der Gegenseite Aleksandr Anjukow über die linke Außenbahn und flankte maßgenau auf Viktor Fajsulin, der per Kopf auf 3:0 erhöhte (54.). Mit der hohen Führung im Rücken gewannen die Russen weiter an Sicherheit, standen felsenfest in der Defensive und stürmten immer wieder mit gefährlichen Kontern in die gegnerische Hälfte.
Spätestens in der 73. Minute wurde der Abend für den FC Bayern zum Debakel. Auf der rechten Außenbahn ließ Regisseur Alejandro Dominguez Gegenspieler Philipp Lahm aussteigen und flankte auf den einschussbereiten Progrebnjak, der mit seinem zweiten Treffer auf 4:0 erhöhte. Nun gaben sich die Stars von der Isar endgültig geschlagen und sehnten spürbar den Abpfiff herbei. Nach Bayer Leverkusen warf die Elf von Dick Advocaat damit die zweite deutsche Mannschaft aus dem UEFA-Cup.
Spieler des Spiels:
Pavel Progrebnjak versetzte den Bayern mit seinem Freistoßtor zum 1:0 den ersten Schock des Abends. Als er in der Schlussphase auf 4:0 erhöhte, machte der russische Stürmer den Finaleinzug seiner Mannschaft perfekt.
Jonas Steldinger / Eurosport