Champions League - Tore, Tränen, Emotionen

Eurosport - Do 01.Mai. 20:11:00 2008

Rasse, Klasse, Spannung pur und große Emotionen - Michael Ballack & Co. sind im denkwürdigen Halbfinal-Klassiker gegen den FC Liverpool erstmals in der Geschichte des FC Chelsea in das Endspiel der Champions League eingezogen.

FOOTBALL 2007-2008 Champions League Chelsea-Liverpool Ballack Drogba Cole - 0

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft spielte beim 3:2 (1:1)-Thriller nach Verlängerung an der Stamford Bridge erneut eine entscheidende Rolle.

Ballack entschied zwar diesmal nur 39 Prozent der Zweikämpfe zu seinen Gunsten, doch das wichtigste Duell im Kampf Mann gegen Mann ging an den Mittelfeld-Star und verlieh der Partie einen vorentscheidenden Charakter. Sami Hyypiä grätschte Ballack im Strafraum der "Reds" in die Parade. Frank Lampard (98.), dessen Mutter wenige Tage zuvor verstarb, fasste sich ein Herz und verwandelte den fälligen Strafstoß zur 3:1-Führung. Im Torjubel riss sich Lampard den Trauerflour vom linken Arm, küsste diesen und blickte sehnsüchtig in den verregneten Londoner Nachthimmel.

"Es war ein Riesen-Fight, das Wetter hat seinen Teil dazu beigetragen, aber ich denke, wir haben am Ende verdient gewonnen", erklärte der überglückliche Ballack nach dem Spiel. "Wir haben in der Verlängerung zulegen können, das hat den Ausschlag gegeben." Und im Hinblick auf das Finale meinte der deutsche Mittelfeldstar: "Ich hoffe, dass wir den Schwung mitnehmen können." Der 31-Jährige tanzte im Siegesrausch zur Vereinshymne "Kalinka" mit seinen Mannschaftskollegen und warf anschließend sein Trikot mit der Nummer "13" in die frenetisch jubelnde Menge.

"Average Grant" vor dem großen Wurf

Neben dem überragenden Didier Drogba, der mit seinen Treffern fünf und sechs in der "Königsklasse" maßgeblichen Anteil an der Überwindung des Liverpool-Traumas der "Blues" hatte, gehörte Trainer Avram Grant zu den großen Gewinnern des Abends. Nach Spielende ließ sich der 52-Jährige am israelischen Holocaust-Gedenktag auf den durchweichten Rasen auf die Knie fallen und hielt für einen Moment der Besinnung inne. "Es war kein einfacher Tag für mich, denn mein Vater war ein Opfer des Holocaust", erklärte der Israeli auf der anschließenden Pressekonferenz.

"Average Grant - der durchschnittliche Grant", wie der Trainer-Nobody von der englischen Regenbogenpresse süffisant genannt wird, hat den Auftrag "Champions-League-Endspiel" von Klubbesitzer und Öl-Milliardär Roman Abramowitsch im Gegensatz zu seinen Vorgängern Jose Mourinho und Claudio Ranieri mit Bravour erfüllt. "Wir hatten so viele Schwierigkeiten in diesem Jahr, aber wir haben stets zusammengehalten", erklärte der sichtlich gerührte Grant, der die Mitverantwortlichen für den Erfolg in der Stunde seines bislang größten Triumphes nicht vergaß: "Jetzt ist der richtige Moment, sich bei jedem einzelnen innerhalb des Klubs zu bedanken. Ich denke vor allem an Roman Abramowitsch. Ohne ihn wäre Chelsea nicht so erfolgreich und nicht so weit gekommen. Wir haben Geschichte geschrieben und jetzt wollen wir den Titel."

Am 21. Mai trifft der FC Chelsea in Moskau im Duell der derzeit besten Vereine der englischen Premier League auf Manchester United. Abramowisch, der den FC Chelsea am 1. Juli 2003 in Besitz nahm und inzwischen die Rekordsumme von 810 Millionen Euro in Spieler investierte, hat sich die Finaltickets in der Hauptstadt seiner russischen Heimat bereits vor Beginn der Champions League gesichert. Für Ballack, der nach der 1:2-Niederlage mit Bayer Leverkusen gegen Real Madrid vor sieben Jahren zum zweiten Mal nach dem Europapokal greifen will, ist klar: "Wir wollen Abramowitsch nicht enttäuschen."

Thomas Janz / Eurosport

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