Eurosport - Di 01.Apr. 17:03:00 2008
Ausgestattet mit Vorschusslorbeeren seiner neuen Vorgesetzten und jeder Menge Selbstvertrauen will Werner Schuster die abgestürzten deutschen Skispringer wieder in die Weltspitze führen. "Es herrscht Aufbruchstimmung", beschrieb er die Gemütslage seiner neuen Schützlinge in Planegg bei München.
Zu konkreten Prognosen wollte er sich jedoch nicht hinreißen lassen: "Wann einer aufsteht und ganz nach vorne springt, das kann man nicht planen." Jedoch könne er auf einen "Pool arrivierter Springer" zugreifen, sagte Schuster. Dem Ex-Weltmeister Martin Schmitt, Michael Uhrmann und dem Tournee-Dritten Michael Neumayer traut er weite Sprünge zu: "Wenn sie gesund sind und voll motiviert sind, ist es möglich, Erfolge zu feiern."
Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), lobte den 38 Jahre alten Trainer aus Österreich als "Wunschkandidaten" für die Nachfolge Peter Rohweins. "Werner Schuster bringt alles mit, was für den Erfolg nötig ist." Zwar "nicht heute und nicht morgen", jedoch mittelfristig solle er "die deutschen Skispringer an die Weltspitze führen", betonte Hörmann. "Dass die Arrivierten sich fangen und bessere Leistungen bringen und vor allem, dass eine zweite Reihe aufgebaut wird, damit die Weltcup-Mannschaft Druck verspürt", wünscht sich DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller vom neuen Trainer.
Klare Hierarchien
Schuster kündigte an, zunächst die Strukturen in der Skisprung- Abteilung zu verändern. "Die Zahnräder müssen wieder ineinandergreifen", sagte er. "Der Erfolg wird dann eine Frage der Zeit sein." Vor allem das B-Kader-Team, das sich im COC-Cup auf den Weltcup vorbereiten soll, wollen Schuster und der neue sportliche Leiter Horst Hüttel stärken. Stefan Horngacher, bisheriger Stützpunkttrainer in Hinterzarten, soll die Verantwortung hier übernehmen.
Zuletzt hatten die Stützpunkte in der Trainingsgestaltung der Athleten große Freiheiten genossen, was schon unter Rohweins Ägide zu Verstimmungen geführt hatte. Nun soll es wieder zentralisierte Trainingspläne geben. "Der Stützpunkttrainer sagt nicht mir, was zu tun ist. Ich sage, was der Stützpunkttrainer zu tun hat", sagte Schuster.
Seine Ausbildung und sein Studium in Österreich, seine lange Tätigkeit in der Talentschmiede Skiinternat Stams, wo er unter anderem Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer betreute, und ein Jahr als Schweizer Cheftrainer haben dem ehemaligen Skispringer großes Selbstvertrauen für den heiklen Posten in Deutschland gegeben. "Ich fühle mich sattelfest genug, das anzugehen", erklärte er. Die deutschen Springer haben einen desolaten Winter hinter sich gebracht, an dessen Ende Rohwein entnervt aufgegeben hatte. "Anspruch und Wirklichkeit haben nicht übereingestimmt, die Athleten waren verunsichert", beurteilte Schuster die Situation der DSV-Springer in der vergangenen Saison.
dpa / Eurosport