Eurosport - Di 01.Apr. 14:09:00 2008
Giro-Sieger Danilo di Luca ist zum Doping-Prozess beim italienischen Olympischen Komitee CONI in Rom nicht erschienen. In der Verhandlung geht es um irreguläre Hormonwerte beim Italiener, der bei einem Test nach der 17. Etappe des Giro 2007 Testosteron-Werte eines Kleinkindes aufgewiesen hatte.
Das CONI vermutet Manipulation, obwohl di Luca nicht durch zu hohe Werte auffiel und fordert eine Sperre von zwei Jahren. Mit der Bekanntgabe des Urteils ist nach Auskunft der Beteiligten frühestens an diesem Mittwoch zu rechnen.
Wird di Luca, der gerade eine Drei-Monats-Sperre wegen seiner Verbindungen zu dem umstrittenen Mediziner Carlo Santuccione abgesessen hat, Doping nachgewiesen, droht ihm auch die Aberkennung seines Giro-Sieges. In dem Fall würde der Luxemburger Andy Schleck aus Jens Voigts CSC-Team aufrücken. Di Luca, der aktuell mit seinem Pro-Continental-Team LPR die "Lombardische Woche" bestreitet, hat Doping stets bestritten.
Sein Anwalt Federico Cecconi stützt sich auf vier Gutachten von Wissenschaftlern. Di Lucas merkwürdiger Wert sei gemessen worden, weil er nach der "Königsetappe" auf den Monte Zoncolan sehr viel Flüssigkeit getrunken habe.
Auch Petacchi droht Sperre
Der Anwalt der Anklage, Fabio Filocamo, erklärte: "Di Luca muss nach dem obligatorischen Test unmittelbar nach der Etappe, der ohne Auffälligkeit war, vor unserer Überraschungs-Kontrolle um 2100 Uhr am selben Abend eine Bluttransfusion erhalten haben. Es gibt keine andere Erklärung. Der Sieger des Giro d'Italia wies den Hormon-Status eines Kindes auf, da kann man nicht sagen: 'Ich habe Wasser getrunken'".
"Mir ist klar, dass das Risiko besteht, dass ich beim nächsten Giro nicht starten darf und danach werde ich dann vom CAS eventuell freigesprochen. In diesem Fall werde ich mich an die entsprechenden Stellen wenden", sagte di Luca der Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" vor Prozessbeginn und kündigte damit Schadenersatzklagen an.
Ruft der 32-Jährige nach einer Verurteilung durch das CONI wie angekündigt den Internationalen Sportgerichtshof CAS an, müsste er auf das dortige Urteil rund vier Monate warten. Damit wäre auch sein Olympia-Start gefährdet.
An diesem Mittwoch entscheidet sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in der Schweiz das sportliche Schicksal eines weiteren Topstars des italienischen Radsports: Sprinter Alessandro Petacchi (34) muss sich wegen Dopings verantworten und riskiert eine 12-monatige Sperre. Der Team-Kollege von Erik Zabel aus der deutschen ProTour-Mannschaft Milram hatte beim vergangenen Giro zu hohe Cortisonwerte aufgewiesen.
Ein Attest erlaubte ihm, das cortisonhaltige Mittel Salbutamol gegen eine Allergie einzusetzen - Petacchi überschritt das erlaubte Limit aber erheblich. Bei einem Schuldspruch will der in dieser Saison schon sechs Mal erfolgreiche Profi sein Karriere-Ende erklären.
dpa / Eurosport